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um lediglich seinen Willen zur Geltung zu bringen.Durch allerlei Gewaltmittel, durch Zwang und Ränkeglaubte er, den Gang der Dinge nach seinem Sinneausschließlich lenken zu können, und gescheit und vorkeiner List zurückschreckend, hätte er in einem italieni-nischen Tyrannenstaat wohl triumphiert. Allein esstanden ihm keine sittlich entnervten Italiener gegen-über, sondern Männer, von denen ein jeder bereit war,voll Freuden sich dem, was er als Gottes Willen ansah,zu opfern. Der religiöse Enthusiasmus, über den Machia-velli gelegentlich der Bewegung Savonarolas gehöhnthatte, hier hatte er den Propheten die Waffen in dieHand gegeben, welche der christlichen den Sieg überdie heidnische Renaissance verleihen sollten. Dennin den Siegen Cromwells triumphierten die sittlichenIdeen der Reform über den heidnischen MachiavellismusKarls I .
Aber dieser Sieg führte zu einer neuen Krisis.Der Verlauf des Kampfes hatte schlagend die Ein-seitigkeit Machiavellis gezeigt, als er den Menschenals ausschließlich egoistisches Wesen ins Auge faßte.Der Sieg der Independenten sollte aufs neue die Un-möglichkeit zeigen, von vorgefaßten ethischen An-schauungen aus die wirtschaftlichen und politischenDinge der Welt zu meistern.
Die Konsequenz der Calvinistischen Auffassung,daß die Bibel die alleinige Quelle und Norm desGlaubens sei, hieß für das praktische Leben strengsteUnterordnung desselben unter den Buchstaben der Bibel.Die Calvinisische Lehre kannte kein historisches Werden,keine Entwicklung. Das Christentum war ihr etwasdurchaus Fertiges, durch den Buchstaben der SchriftAbgeschlossenes, über allen Wechsel und Wandel derZeiten Erhabenes. Damit war alle opportunistischeAnpassung an die sich fortentwickelnden Verhältnisse