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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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75
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Ethik und Volkswirtschaft in der Geschichte 75

Änderungen in demselben, welche die Bedingungen,unter denen die Menschen leben, und deren natürlicheEntwicklung mit sich bringen, Ausfluß jener Vernunft,welche das Weltganze beherrscht. Es geht nicht, diegöttliche Schöpfung quasi korrigierend, das Unmögliche an-zustreben und die Aufgabe des sittlichen Daseins durchmechanische Eingriffe verwirklichen zu wollen, welche,gleichviel ob reaktionär oder revolutionär, mit denLebensbedingungen der Gegenwart und den Aufgabendes Staatsganzen im Widerspruch stehen. Alle Ver-suche der Vergangenheit, die Gesellschaft im Wider-spruch mit ihren natürlichen Grundlagen zu ordnen,sind, wie ich Ihnen heute vorgeführt habe, fehl-geschlagen, ein deutlicher Beweis, daß alle positiveGesetzgebung nur insofern Bestand haben kann, alssie nicht mit der Natur der Dinge in Widerspruchtritt. Und daß eine solche Gesetzgebung, wie sie dieallein wirksame, so auch die allein gerechte ist, dashat, um der Lehren pantheistischer Philosophen ganzzu geschweigen, auch Thomas von Aquin ausgesprochen 1 ),als er lehrte, daß nichts, was dem Naturgesetz, demAusfluß der göttlichen Vernunft, widerspreche, durch

q Est aliqua lex aeterna, ratio videlicet gubernativa totiusuniversi in mente divina existens . . . Est in hominibus lex quae-dam naturalis, participatio videlicet legis aetemae, secundum quambonum et malum discernunt. (Summa Theol. 1» 2ao pu. 91.)Dicendum quod voluntas bumana ex communi conducto potestaliquid facere justum in bis quae secundum se non habent aliquamrepugnantiam ad naturalem justitiam: Et in his habet locum juspositivum . . . Sed si aliquid de se repugnantiam habeat ad jusnaturale, non potest voluntate bumana fieri justum. (Ibidem 2 12ae qu. 57 art. 2.) Ad secundum dicendum quod ratio bumanasecundum se non est regula rerum, sed principia ei naturaliterindita sunt regulae quaedam generales et mensurae omnium eorumquae sunt per hominem agenda, quorum ratio naturalis est regulaet mensura, licet non sit mensura eorum quae sunt a natura.(Ibidem la 2ae qu. 91 art 3.)