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Die Kirche und die Entwicklung zur Freiheit
daß sie los sein sollen, und den Zerschlagenen, daß siefrei und ledig sein sollen; sie hat den Armen nichtdas angenehme Jahr des Herrn verkündigt. NichtLeo XIII. hat recht, sondern der Bischof von Regens-burg . Die Sklaverei ist erst ausgestorhen, als die Be-dingungen für ihr Fortbestehen auf hörten, also einmal,als ihre Ursache aufhörte, d. h. als man aufhörte,Kriegsgefangene zu Sklaven zu machen, sodann, alses vorteilhafter wurde, statt Sklaven mehr oder minderfreie Arbeiter zu verwenden.
Anfänglich hatte man die Kriegsgefangenen ge-tötet. Die Sklaverei hatte einen Fortschritt bedeutetgegenüber diesem Zustand der Barbarei. Sie deutetauf einen Zustand, in dem Menschenkräfte bereits will-kommen waren zu wirtschaftlichen Zwecken. Ihr Ent-stehen ist also ein Zeichen bereits vorgeschrittenerKultur.
Man hörte auf, Kriegsgefangene zu Sklaven zumachen, im Mittelalter und in der Neuzeit aus ver-schiedenen Beweggründen.
Im Mittelalter in dem Maße, in dem die Nationen,mit denen man Krieg führt, selbst Christen werdenund Christen sind. Daher die Sklaverei fortdauerte,solange man die Heiden bekämpfte. Daher kein Anstoßan der Versklavung der Feinde des Papstes, auch wosie Christen waren, denn sie galten als schlimmer dennHeiden; endlich kein Anstoß an der Sklaverei der Neger.
So bestand ein lebhafter Sklavenhandel währenddes Mittelalters, bis die Slaven das Christentum an-nahmen, mit kriegsgefangenen Slaven 1 ). Sie gaben
>) Siehe Andreae Danduli Chronicon, Cap. V., parsXXIII (Rer. Italic, soript. XII 186. — Mas Latrie, Histoire del’isle de Chypre, Paris 1852, 125—128. Auch den Append. ä Ibn-Khaldoun, Hist, des Berberes, t. II p. 573, bei Mas Latriep. 215 der Einleitung, Anm. 11, u. a. a. 0.