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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Die Kirche und die Entwicklung zur Freiheit 153

war streng untersagt, einen Sklaven zu verkaufen, essei denn, daß derselbe alt und gebrechlich sei; dochsoll man einen Sklaven sich loskaufen lassen, wennman für den von ihm gezahlten Preis 2 oder gar 3neue Sklaven erwerben kann. Ebenso darf die Taufeeines Sklaven, weil sie seine Freilassung zur Folgehatte, nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Meistersgeschehen. Als die Gemeinde Florenz 1289 alle Hörig-keit in ihrem Gebiete abschaffte, blieben die Hörigenund Sklaven der Kirche, auch wenn sie italienischerNationalität waren, von dieser Wohltat ausgeschlossen 1 ).Solange dann die Kriege mit den Sarazenen dauerten,fand neue Sklaven zufuhr durch Kriegsgefangene statt.Zahlreiche Verkaufsurkunden betreffend Sklaven sinduns erhalten. Es gab Sensale für derartigen Mobilien-verkehr. Auch an Zahlungsstatt wurden häufigSklaven gegeben, so z. B. öfters zur Begleichung ärzt-lichen Honorars. In vielen Testamenten wird ihrererwähnt. Namentlich in Spanien fanden, solange dieKämpfe mit den Mauren dauerten, fortwährend neueVersklavungen von Kriegsgefangehen statt. Der JesuitAntonio Agapida erzählt in seiner Geschichte vonGranada von dem entsetzlichen Schicksal der 11- bis15000 Bewohner von Malaga . Sie hatten im Jahre1487 ihre Stadt tapfer gegen Ferdinand von Aragonien verteidigt, schließlich aber kapitulieren müssen. Siebaten um ihr Leben. Ferdinand fürchtete, sie würdenihr Geld und ihre Juwelen in die Brunnen werfen,wenn er sie nicht begnadige. Er versprach ihnen dieFreiheit, wenn ein jeder innerhalb bestimmter Fristsich loskaufe; sie sollten solidarisch haften. Darauflieferten sie ihre Habe ab, die sorgfältig gebucht wurdeund ihnen aufs Lösegeld angerechnet werden sollte.