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Lu jo Brentano
Nach Ablauf der Frist war die vorgeschriebene Summenicht beisammen. Darauf wurden sie alle als Sklavenverkauft und hundert von ihnen nach Rom dem Papsteals Geschenk geschickt. Der genannte Geschichts-schreiber rühmt Ferdinand oh dieser klugen Handlungs-weise mit den Worten: „Nie hat man von einer ge-schickteren und klügeren Handlungsweise gehört, alsdie war, welche der katholische Fürst befolgte, durchdie er nicht nur alles Eigentum und die Hälfte derLösungssumme dieser Ungläubigen an sich zog, sondernzuletzt auch noch sie selbst in den Handel mit dareinbekam. “ Auch bei Kriegen, welche die Päpste imBunde mit anderen Mächten gegen die Ungläubigenführten, empfingen sie ihren Anteil an der Menschen-beute. Auf den päpstlichen Schiffen finden wir vom16. bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts zahlreicheSklaven, die in der Regel erbeutet oder gekauft waren;gelegentlich waren sie auch von Privatpersonen ge-mietet. Noch 1657 hat der Papst Alexander VII .Sklaven gehabt.
Was sodann die Versklavung von Christen an-geht, welche der Kirche entgegenhandelten 1 ), so hatnicht nur das 9. Konzil von Toledo (655) erklärt, daßalle Kinder von Geistlichen Sklaven der Kirche seinsollten, und es wurde nicht nur noch zu Beginn des11. Jahrhunderts jeder mit Anathema bedroht, der be-hauptete, die Kinder der Kleriker seien frei, nicht nurhat 1215 Innocenz III. alle diejenigen für der Sklavereiverfallen erklärt, welche den Sarazenen Waffen lieferten,sondern seit dem 14. Jahrhundert trugen die Päpsteoft kein Bedenken, ihre Feinde mit Sklaverei zu be-drohen. Am 27. März 1309 bestimmte Clemens V. nachder Besetzung Ferraras durch die Venezianer, daß diese,
’) Siehe Langer und Zamboni a. a. 0.