Die Kirche und die Entwicklung zur Freiheit 155
wo immer sie ergriffen würden, als Sklaven geltensollten. 1376 befahl Gregor XI. , die Florentiner, mitdenen er verfeindet war, zu Sklaven zu machen. 1450bestimmte eine Bulle Nikolaus V.: Si personas eorum(schlechter Christen) capi contigerit in servitutem etcapientium illorum esse volumus, in quorum ceciderintcaptionem. 1483 zogen sich die Venezianer abermalswegen Ferraras die Androhung der Sklaverei zu, undsogar den venezianischen Geistlichen wurde bei Strafeder Slaverei verboten, Rom zu verlassen. Dann wiederwurden die Venezianer durch Julius II. 1506 und1509 mit Sklaverei bedroht. Paul III. entband 1535alle Untertanen Heinrichs VIII. von England vomTreueid; wer ihm trotzdem treu bleibe, sei zum Sklavenzu machen. 1539 entzog Papst Paul III. dem römischenSenate das Recht, Sklaven, die sich zu ihm geflüchtet,die Freiheit zu geben. 1550 gab Pius V. den Konser-vatoren dieses Recht zurück, aber nur zugunsten der-jenigen Sklaven, die vorher die Taufe empfangen hätten,eine Bestimmung, welche die Herren davon abhielt,ihre Sklaven taufen zu lassen.
Wenn dies die Stellung des Hauptes der katholischenKirche zur Sklaverei war, kann man sich nicht wundernzu lesen, daß 1447 Franz Sforza nach der Eroberungvon Piacenza 10 000 Einwohner an den Meistbietendenverkaufte, und daß die Franzosen 1501 nach der Er-oberung von Capua die Capuanerinnen als Sklavenverkauften.
Diese Auffassung, daß die Versklavung dem Christen-tum nicht wiederspreche, sobald es sich um Heiden oderFeinde der Kirche, d. h. des Papstes, handle, erklärtauch die Haltung der Kirche gegenüber der Sklavereiin der neuen Welt. Erst recht spät nahm der Papstdaran Anstoß, die Indianer, die man in dem neu ent-deckten Lande vorfand, zu Sklaven zu machen, und