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bezeichnend ist der Ausspruch des Kolumbus: „Derwahre Reichtum der Insel Espanola sind ihre Menschen. “Als die Königin Isabella Anstoß nahm, die Indianer,die man in dem neu entdeckten Lande vorfand, zuSklaven zu machen, beruhigte man sie durch denHinweis, daß sie dafür durch die Taufe den Himmelgewännen 1 ); und als die Indianer sich als Slaven un-brauchbar zeigten, begann, veranlaßt durch den ansich menschenfreundlichen Bischof Las Casas , dieHeranziehung von Arbeitskräften aus Afrika . Schon1501 begannen die ersten Negereinfuhren, und mit er-staunlicher Schnelligkeit dehnten sich dann Neger-handel und Negersklaverei aus.
Papsttum und Kirche sind also erst spät zur Er-kenntnis gelangt, daß die Sklaverei dem Christentumwiderspreche. Nicht anders aber als die katholischeverhielt sich die protestantische Kirche. Man lesenur Luthers Kommentar zum 3. der zwölf Artikelder Bauern in seiner „Ermahnung zum Frieden aufdie zwölf Artikel der Bauernschaft in Schwaben“,1525.
„Es soll kein Leibeigener sein, weil uns Christusfast alle befreiet? Was ist das? Das heißt christ-liche Freiheit ganz fleischlich machen. Hat nichtAbraham und andere Patriarchen und Propheten auchLeibeigene gehabt? Leset St. Paulum, was er vonden Knechten, welche zu der Zeit alle leibeigen waren,
*) Die Herren wurden nämlich verpflichtet, ihren Leibeigenendas Ave Maria, natürlich in spanischer Sprache, beizubringen.„Welch ein Katechismus“, schreibt Las Casas , „dieses Ave Mariafür Leute, die nicht wußten, ob diese Worte einen Stein, einenStock oder zu essen oder zu trinken bedeuteten!“ (Vgl. G. F.Knapp, Der Ursprung der Sklaverei in den Kolonien in „DieLandarbeiter in Knechtschaft und Freiheit“. 2. Aufl. Leipzig 1909. S. 8.)