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Die Kirche und die Entwicklung zur Freiheit
lehret. Darumb ist dieser Artikel stracks wider dasEvangelium und räubisch, damit ein jeglicher seinenLeib, so eigen geworden ist, seinem Herrn nimpt.Denn ein Leibeigener kann wohl Christen sein undchristliche Freiheit haben gleichwie ein Gefangener oderKranker Christen ist, und doch nicht frei ist. Es willdieser Artikel alle Menschen gleich machen und ausdem geistlichen Reiche Christi ein weltlich äußeresReich machen, welches unmöglich ist. Denn weltlichReich kann nicht stehen, wo nicht Ungleichheit ist inPersonen, daß etliche frei sein, etliche gefangen, etlicheHerren, etlicher Untertan usw. Wie St. Paulus(Galater III 28) sagt, daß in Christo Herr und Knechtein Ding sei“ usw.
Desgleichen haben die christlichen Grundsätze,welche die protestantischen Engländer zur Schautrugen, sie nicht abgehalten, Sklavenhandel zu treiben,ja sogar Kriege um das Monopol im Negerhandel zuführen 1 ). Schon 1562 hat der englische Sklavenhandelnach Südamerika begonnen. Elisabeth hat ihn fürverabscheuungswert erklärt und daß er die Rache desHimmels herabrufen werde. Wie weit es ihr damiternst gewesen ist, läßt sich angesichts ihrer Privi-legierung der Piratenfahrten Francis Drakes und SirWalter Raleighs nicht beurteilen. Das Streben derStuarts jedenfalls ging dahin, den Negerhandel zuentwickeln. 1618 erhielt Lord Warwick ein Privileg,von der Küste Guineas aus Sklavenhandel zu treiben;1631 wurde einer Gesellschaft zu gleichem Zweck einFreibrief erteilt. Nicht anders verfuhr der sich im