159
Die Kirche und die Entwicklung zur Freiheit
und als die Gesellschaft dicht vor dem Bankrott stand,wurde ihr das Glück zuteil, daß ihr in dem neben demVertrag von Utrecht , der dem spanischen Erbfolge-krieg ein Ende bereitete, abgeschlossenen sogenanntenAssientovertrage das Privileg zugesprochen wurde, dasPortugal und Frankreich bis dahin besessen hatten:dreißig Jahre sollte sie das Recht haben, jährlich 4800Neger den spanischen Kolonien in Amerika zu liefern.Die Könige von England und Spanien sollten je einViertel des bei diesem Geschäfte erzielten Reingewinneserhalten. Indes führte die Mißwirtschaft der königlichenKompagnie 1750 zu ihrer Auflösung. Nun wurde, umdem Bedürfnis der westindischen Pflanzer möglichstentgegenzukommen, der Sklavenhandel abermals allenbritischen Untertanen freigegeben und nahm unter jedernur denkbaren Förderung seitens der Regierung einengewaltigen Aufschwung. Die Kolonisten erklärten ihnals die Stärke und Seele der westlichen Welt. DieGouverneure wurden angewiesen, den Händlern jedeErleichterung zu gewähren. Die von den kolonialenGesetzgebungen als bequeme Einnahmequelle bevor-zugten Einfuhrzölle auf Neger wurden vom Mutter-lande sehr ungern gesehen. Als der gesetzgebendeKörper von Jamaica 1760, 1765 und noch 1774 dieübergroße Sklaveneinfuhr aus Gründen der Sicherheiteinschränken wollte, hinderte sie die englische Re-gierung, „weil der Sklavenhandel dem Wohlstände derNation zugute komme“.
Und doch hatte 1778 bereits die von WilliamWilberforce geleitete Agitation gegen die Sklavereiaus prinzipiell ethischen Gründen begonnen. Aberauch sie liefert einen Beleg dafür, daß das materiellePrinzip stärker ist als das ideale und dieses nur in-soweit zur Geltung kommen läßt, als es die jeweiligenkonkreten Verhältnisse als vorteilhaft erscheinen lassen.