Die Kirche und die Entwicklung zur Freiheit 163
die von 1783—1806 von Grund aus veränderten Ver-hältnisse unerbittlich die Einstellung des Negerhandelsverlangten, wenn England seinen glänzenden Kolonial-handel nicht an das konkurrierende Ausland verlierenwollte“ *), sind es auch politische Erwägungen gewesen,welche den idealen Bestrebungen der Wilberforce , Clark-son und Genossen zugute gekommen sind. Als es zuAnfang 1794 in Paris bekannt geworden, daß Martinique und Guadeloupe vor den überlegenen britischen Streit-kräften in Westindien hatten kapitulieren müssen, hatteder französische Nationalkonvent das Dekret vom4. Februar 1794 erlassen, welches die Sklaverei undden Sklavenhandel in den französischen Kolonien ab-.schaffte. 2 ) Unter stürmischen und theatralischen Szenenist es zustande gekommen. Danton frohlockte : „Heuteist der Engländer tot; Pitt und seine Helfershelfersind vernichtet.“ Der Konvent bezweckte durch dieFreiheitserklärung, die Schwarzen gegen ihre neuenHerren zum Kampfe aufzurufen und mit ihrer Hilfeletztere zu verjagen. Auch ist, wenn auch nicht aufMartinique, so doch auf Guadeloupe und St. Lucie dasExperiment geglückt. Wie wenig es den Franzosen beiihrem Dekret um sittliche Beweggründe zu tun war,zeigt nicht nur dieser sein Ursprung, sondern auch,daß sie, nachdem sie im Frieden von Amiens ihreKolonien wieder erhalten hatten, die Sklaverei 1802dort wieder zuließen. In England aber kam die Er-fahrung der Sklavenbefreiung zugute, und als es Frank-reich niedergeworfen hatte, ist es ihm gelungen, denWiener Kongreß zum Beitritt zu seinem Verbot des Neger-handels zu vermögen und zu erreichen, daß es selbst mitseiner Durchführung betraut werde. Nun lag die Kontrolle
9 Hochstetter, a. a. 0. 17.a ) Hochstetter, a. a. 0. 4.
11 *