Die Kirche und die Entwicklung zur Freiheit 165
zu Dienstbotenzwecken, nncl als Arbeiter zu pro-duktiven Zwecken.
Man kann sagen, daß die Sklaverei, wo sie imMittelalter in Europa vorkommt, Haussklaverei war.Zu produktiven Zwecken war der Sklave im Wirt-schaftsbetriebe des mittelalterlickenEuropa nickt brauch-bar. Wohl aber als Dienstbote. Hier hört die Skla-verei auf, sobald die Erhaltung des Sklaven dem Herrnin den Tagen, wo der Sklave arbeitsunfähig ist, alsobei Krankheit, Invalidität, Alter, zu kostspielig wird.Desgleichen wird der Sklave frei, wenn der Herr in-folge von Verarmung außerstande ist, ihn zu ernähren.Anders, wo die Arbeit zu produktiven Zwecken begehrtwird.
Der Sklave ist ein Kapital, das in wenigen Jahrenverbraucht ist. Damit es amortisiert sei, bevor esaufgehört hat, nutzungsfähig zu sein, muß man esfortwährend nutzen. Das ist nicht möglich in derLandwirtschaft, je mehr die Vegetationszeit durch dieUngunst des Klimas beschränkt wird. Je mehr diesder Fall ist, um so länger muß man die Sklaven inin der unproduktiven Zeit ohne Entgelt durchfüttern.Der Sklave ist aber noch aus anderen Gründen einekostspielige Arbeitskraft, sobald er auf Großgrund-besitz verwendet werden soll. Er arbeitet nur unterZwang. Sklavenarbeit setzt also Aufsicht voraus.Daher konnte sie sich in der Plantagenwirtschaft insüdlichen Klimaten halten 1 ). Da herrscht lange Ve-getationszeit und Großbetrieb. Die erstere macht dieBeschäftigung das ganze Jahr oder nahezu das ganzeJahr möglich. Hier auch einheitliche Aufsicht unddie Aufsichtskosten daher nicht übermäßig. Dagegen
*) Vgl. auch Dr. Ernst Sohultze, Eine Revolution in derBaumwollgewinnung, Schmollers Jahrbuch 1911.