166
wurden auch in den Vereinigten Staaten keine Sklavenzu produktiven Zwecken über einen gewissen Breitegradnördlich hinaus verwendet. Da war sie wirtschaftlichunhaltbar, weil kein Plantagenbetrieb möglich war.Rhode Island verbot schon 1774 die Einfuhr von Sklaven;1780 schafften Massachusetts und Pennsylvanien dieSklaverei ab; dann folgten die übrigen Kordstaaten.Dagegen wurde sie in den Südstaaten nur durch Ge-waltanwendung seitens des Nordens beseitigt, als erdie Vorherrschaft der auf der Sklaverei beruhendenAristokratie in den Vereinigten Staaten brechen wollte.Anders im Wirtschaftsbetrieb des mittelalterlichenEuropa und schon vor dem Mittelalter im Römerreich.Da herrschte zwar Großgrundbesitz, nicht aber Groß-betrieb. Landwirtschaftlicher Großbetrieb mit Sklavenwar da aus klimatischen Gründen unwirtschaftlich.Man gab also dem Sklaven die vom Herrenhof ent-fernter liegenden Grundstücke zu selbständiger Be-wirtschaftung für eigene Rechnung gegen Abgabenund Dienste. Gewiß nur ein Teil des Ertrags fieldabei dem Herrn zu; aber dieser Teil war größer alsfrüher der ganze Ertrag, denn das Selbstinteresse istein mächtigerer Sporn zur Arbeit als der physischeZwang.
So wurde im Sklaven der Mensch erkannt. Andie Stelle des Sklaven trat der Kolone, der Hörige.Das Arbeitsverhältnis blieb aber noch ein Herrschafts-verhältnis. Allein der Hörige war nicht mehr Sache;er hatte einen Stand und ein Recht. Das zog derHerrschaft, welche das Arbeitsverhältnis über ihn ver-hängte, die Grenzen, sowohl der Herrschaft über ihnals Produktionsmittel, als auch der Herrschaft überihn als Mensch. Das steigende Interesse der Volks-wirtschaft an intensiverer Bearbeitung des Bodensführte dann zur Ersetzung der ungemessenen Dienste