Die Anfänge des modernen Kapitalismus 205
der notwendige Ausfluß der Naturalwirtschaft, sobaldder Landbesitz und die Reiche so groß werden, daßsie bei dem Fehlen eines ausgebildeten Systems vonVerkehrsmitteln von einer Zentrale aus nicht mehr
allerdings bestreitet, ebenso wie andere dies tun, daß es im Alter-tum einen Kapitalismus gleich dem modernen überhaupt gegebenhabe; in einer neuerlich erschienenen Abhandlung (Archiv fürSozialwissenschaft und Sozialpolitik XLT, 304, 305) sieht er einenBeweis hierfür darin, daß die antike Welt den Begriff „Geschäft“nicht gekannt habe. Dieser Begriff ist im Mittelalter entstanden,als aus der Hausgemeinschaft durch Ausscheiden von Mitgliedernderselben aus der gemeinsamen Verbrauchswirtschaft eine gemein-same Erwerbswirtschaft vertragsmäßig fortbestand. (Vgl. MaxWeber , Zur Geschichte der Handelsgesellschaften im Mittel-alter. Stuttgart 1889.) Nun läßt sich allerdings nicht mit Sicher-heit sagen, ob die Firma Igibi und Söhne, die in Babylon vonden Zelten Sanheribs (705—681) bis zu denen Nebukadnezars,also über ein Jahrhundert lang blühte, schon über das Stadium derHausgemeinschaft hinausgeschritten war. (Siehe J. Köhler undF. E. P e i s e r , Aus dem Babylonischen Rechtsleben IV. Leipzig1898, S. 21.) Auch die Geschäfte, welche Murashü und seine Söhnein der Zeit des persischen Königs Artaxerxes I. ( 465—424) bis zuder von Artaxerxes II. ( 404—359) abgeschlossen haben, sind zwarein Zeugnis dafür, daß ein und dieselbe .Familie durch Genera-tionen gleichartige Geschäfte betrieben hat; es liefern aber dieveröffentlichten Urkunden nicht den sicheren Beweis, daß es be-rechtigt ist, von einer Firma Murashü und Söhne in Nippur zusprechen. (Siehe Cuneiform Texts, ed. by H. V. H i 1 p r e c h tand A. T. Clay. Philadelphia 1898, 1904.) Dagegen war, auchwenn das Wort „Geschäft“ in unserer Bedeutung in der antikenWelt wirklich nicht vorgekommen sein sollte, so doch der Begriffpes „Geschäfts“ gegeben, so oft ein Römer einen Sklaven oder Frei-gelassenen mit einem Sachvermögen ausstattete, um e3 für ihndurch planmäßig wiederholten Abschluß von Verträgen über geld-werte Leistungen und Gegenleistungen zu verwerten. So war esunzweifelhaft ein Bankgeschäft“, das Kallistus, der Sklave desKarpophorus, mit dem Gelde seines Herrn auf einem öffentlichenPlatze in Rom, der Piscina publica, betrieb. (Siehe obenS. 109ff. und Philosophumena sive haeresium omnium confutatioed. Patricius Cruce. Parisiis 1860, p. 436-ff.)