Die Anfänge dos modernen Kapitalismus 211
in ein Treuverhältnis zueinander. Sie werden dadurchzu gegenseitiger Unterstützung verpflichtet.
Imvölligen Gegensatz hiezu steht die kapitalistischeWirtschaftsordnung. In ihr hat statt des Landes dieführende Rolle das Geld. Es ist das Hauptproduktions-mittel geworden. Nicht als ob Kapital identisch wäremi t. Geld. Aber man produziert nicht mehr aus-schließlich für den Eigenbedarf. Oft produziert mangar nicht mehr, was zur Befriedigung der eigenenBedürfnisse dient. Man produziert ganz oder teilweisefür den Verkauf. Ebenso verbraucht jeder nicht nurdas, was er selbst produziert hat; ein jeder erhält,was er braucht, in wachsendem Maße gegen Geld-zahlung, nicht bloß die Sachgüter und Dienste, die erfür persönliche Zwecke, sondern auch die, welche erzu weiterer Produktion nötig hat. Daher werden dieGüter nicht mehr mit Rücksicht auf ihre technischenEigenschaften ins Auge gefaßt, sondern als Ver-körperung von Geldwert, und ebenso die Produktions-mittel. die bei ihrer Herstellung Verwendung finden 1 ).Das gilt sowohl für die dabei verwendeten Sachgüterals auch für die dabei verwendeten Arbeitsleistungen.Die ersteren erzeugt man nicht mehr ausschließlichselbst, oder wo man es tut, stellt man ihren Geldwertin Rechnung. Die Verfügung über die benötigtenArbeitskräfte erwirbt man nicht mehr, indem manSklaven hält oder andere durch Beleihung mit Landzu Diensten verpflichtet, sondern indem man vomfreien Arbeiter dessen Arbeitsleistungen kauft. Dasdie Menschen verbindende Band ist nicht mehr das
*) Insofern sagt Sombart in seiner Abhandlung „DieEntstehung der kapitalistischen Unternehmung“ (Archiv für Sozial-wissenschaft und Sozialpolitik von Jaffe, KLI, 319) treffend: „Mankann Kapital geradezu definieren als das mit der doppelten Buch-führung erfaßte Erwerbsvermögen.“
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