Die Anfänge des modernen Kapitalismus 217
nur gegenüber dem Fremden. Vom StammesgenossenZins zu nehmen, ist ursprünglich bei allen Völkernverboten, so dem Juden vom Juden, nicht aber vomFremden 1 ). So dem römischen Patrizier vom Patrizier,nicht aber vom Plebejer 2 ), und bald übertrifft der Ge-winn aus der Nutzbarmachung des Sachvermögensdurch Vertragsabschluß über geldwerte Leistungen inForm von Darlehen und Gegenleistungen in Form vonZinsen und anderen Vorteilen bei weitem den Handels-gewinnst.
Und dann erobert der Kapitalismus den Krieg.Er ist die älteste auf den Erwerb gerichtete Tätigkeitder Freien bei allen Völkern 3 ); der friedliche Verkehr
liaupt, sei es von den „Kuhherren“, zur Leihe. So entstand eineKlasse persönlich freier Stammesgenossen, die sich gegenüber demStammeshaupte und den ihm nahestehenden Familien in einemKlientelverhältnis befand, das, abgesehen von allen Banden 'wirk-lichen oder angenommener Blutsverwandschaft, auf einer wirtschaft-lichen Abhängigkeit beruhte. Der Viehbesitz wurde dann maß-gebend für den Anteil eines jeden am Land. Indem das Stammes-haupt das Vieh verteilte, beeinflußte es somit auch den jedemzukommenden Anteil am Land — secundum dignationem. Wahr-scheinlich beruhten die Verschuldungsverhältnisse, die Cäsar inHelvetien und ganz Gallien bei den dortigen Kelten vorfand, inähnlicher Weise auf der Viehloihe. Auch hier noch kein Sonder-eigentum am Grund und Boden, sondern nur erst prekärer Besitzdes Volklands seitens der Grundbesitzer. Erst infolge der Steuer-reform des Augustus wurde aus diesem prekären Besitz ein Sonder-eigentum der Inhaber (vgl. D’Arbois de Jubainv.ille,Kecherches sur l’origine de la propriete fonciere p. XXIV, 6 ff.,61, 67, 99—121). Daraus ergibt sich: bei den Kelten zeigt sichuns in der Viehloihe das Kapital schon vor dem Sondereigentumam Land.
*) Deuteronomium c. 23 v. 19, 20.
2 ) A p p i a n, Bürgerkriege I, 54. S a 1 v i o 1 i, Le capitalismedans le monde antique, Paris 1906, p. 26 ff.
3 ) So nennt schon Aristoteles, Politik I, 3, 8, die Kriegskunsteine Erwerbskunst und sucht den Krieg zu rechtfertigen, da zurKriegskunde auch die Jagd gehöre, und man diese anwenden