Die Anfänge des modernen Kapitalismus 229
Kirchengüter gaben ihm die Mittel, um die Krieger aus-zustatten, mittels deren sein Sohn Pippin die Königs-macht des Karolingischen Hauses begründete. Mit derBeleihung mit Land trat an die Stelle des früherenUnterhaltes das beneficium als Lohn des Gefolgsmannes,und auf seine Treue war nur zu rechnen, soweit siedurch ein beneficium vergolten ward. Daneben bestandals Entgelt für Kriegsdienste der Anteil an der Beutenach wie vor fort. Einhard berichtet 1 ), daß dieFranken in den Kriegen gegen die Avaren und Hunnendiesen die Schätze, welche sie von allen übrigenVölkern zusammengeraubt hatten, wieder abnahmenund soviel Gold und Silber heimbrachten, daß sie, diebis dahin arm gewesen, in Reichtum schwammen. Undso war es nicht bloß in den Anfängen, sondern auchnoch auf dem Höhepunkt des Feudalsystems. DieHaupterwerbstätigkeit der Herrenmenschen war derKrieg und dessen Ziel die Beute. Gab ihnen derLehnsherr keine Beschäftigung, so zogen sie für eigeneRechnung auf Raub und Plünderung aus. Daher diemittelalterlichen Chronisten selbst zu staunen scheinen,wenn sie einmal berichten 2 ), es habe in einem be-stimmten Zeitpunkt Ruhe im ganzen Reiche geherrscht;weit häufiger haben sie zu erzählen, „die ganze Weltwar damals mit Krieg erfüllt, und fast alle Reichs-fürsten befehdeten einander“ 3 ). Nehmen wir mittel-alterliche Chroniken zur Hand, so trifft man immer
*) Einhard, Vita Karoli Magni rec. G. Waitz , ed. VI,curavit 0. Holder-Egger. Ilanoverae ot Lipsiae 1911, pp. 15, 16.
2 ) Vgl. Radewichs Fortsetzung dor Denkwürdigkeitenaus dem Lehen Kaiser Friedrichs I„ den Anfang des ersten Buchs.
3 ) Vgl. Otto von Freising, Denkwürdigkeiten aus demLeben Friedrichs I. Erstes Buch, zweiter Teil. Vgl. auch überdie Anfänge dor Normannen in Sizilien und Unteritalien GustaveLe Bon, La civilisation des Arabes. Paris 1884, p. 812, 313.