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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

wir seit dem 11. Jahrhundert häufig hei den an dieStelle der Beutezüge der alten Gefolgschaften ge-tretenen Angriffskriegen. Es scheint auch von Wilhelmvon der Normandie bei der Eroberung Englands an-gewendet worden zu sein. Als er an seine Vasallendie Zumutung stellte, ihn zu begleiten, lehnten sie ah,weil sie dazu nicht verpflichtet seien und einenPräzedenzfall nicht schaffen wollten. Darauf nahmer sie einzeln vor und machte ihnen Versprechungen 1 ).

Lebensmittel und die Galeeren zu liefern, die sie zur Kriegs-fiihrung brauchte. Das nannte man Mahonen, oder eine Mahone.Im Laufe des 12. Jahrhunderts wurden bereits die erheblichstenFlotten der genuesischen Republik auf diese Weise beschafft. AusC a f f a r o (Annales Genuenses apud M u r a t o r i, Scriptoresrerum italicarum, tom. YI, col. 247 sequ.) geht hervor, daß dasSystem der Mahonen, wenn auch der Name noch nicht gebrauchtwird, schon im Jahre 1100 bei der Bildung der ersten Flotte, mitder sich die Genuesen an den Kreuzzügen beteiligten, und aufwelcher Caffaro sich selbst befand, zur Anwendung kam. Es be-steht eine große Ähnlichkeit zwischen der Organisation dergenuesischen Mahonen und der Ausrüstung von Kaperschiffen aufAktien, welche das Völkerrecht heute noch (Mas-Latrie schrieb1852) in Kriegszeiten duldet. Die Mahona bildete sich durchZusammentreten von Reedern, Kapitalisten, Kaufleuten, kleinenEigentümern, Arbeitern und religiösen oder Laien-Korporationen,welche ihr Vermögen gemeinsam der Republik liehen, um bei derin Aussicht genommenen Expedition ihr Glück zu wagen. Eswurde über jede von dem Einzelnen gemachte Einlage genauBuch geführt, und wenn der Krieg glücklich ausgegangen war,erhielt der Gesellschafter, den man den Mahonen nannte, nachMaßgabe derselben einen Anteil am Gewinn, sei es in Geld, seies in Waren, mitunter auch in Grundbesitz. Infolge einer solchenGesellschaft ließen sich die Justiniani von Genua auf der InselChios nieder, deren Herren sie mehr als 200 Jahre lang gebliebensind. Vgl. auch über solche maonas zu Kriegszwecken L. G o 1 d -schmidt, Handbuch des Handelsrechts, 3. Aufl., Stuttgart 1891,I, 291 ff. Nach Goldschmidt stammt das Wort maona ausdem Arabischen.

*) So heißt es in Willelmi MalmesbiriensisMonachi, De gestis regum Anglorum, ed. William Stubbs, London