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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Die Anfänge des modernen Kapitalismus249

des Kapitalismus in das Kriegswesen. Man kauft sichdie benötigten Reiterdienste gegen Geld und das Ver-sprechen von Anteil am Gewinn, an der Beute. Nochmehr aber finden wir das Eindringen von kapitalisti-schen Prinzipien bei den übrigen Mannschaften, dieneben den Rittern zur Verwendung kamen. Das warendie Bogen- und Armbrustschützen. Sie sollten durcheinen Regen von Pfeilen die anstürmenden Ritter über-schütten und so demoralisieren. Sie waren von Anfangan gegen Geld gedungene freie Arbeitskräfte. Das-selbe gilt vom Train und vor allem von den Bandenzügelloser Söldner, den ruptuarii, wie die Quellen sienennen, Werbetruppen, die so sehr raubten und mordeten,daß die Kirche wiederholt, wenn auch vergeblich, ihreVerwendung verbot.

Also die Ritter waren selbst schon teilweise mitGeld bezahlt und ihre Dienste geworben. Ihre Hilfs-truppen waren sämtlich auf kapitalistischem Wege ge-wonnen. Dies alles auch im Abendland schon im11. Jahrhundert. In den Kreuzzügen und als Eolgederselben eine fortschreitende Verquickung von Kapi-talismus und Kriegswesen. Wie schon bemerkt, pflegendie großen Barone außer den Leuten, die zu ihrenGrundherrschaften gehörten, noch unabhängige Rittergegen Sold in Dienst zu nehmen, um ihre Ansprücheund ihren Einfluß bei Verteilung der Beute und dereroberten Länder zu mehren. Diese auf Beute undLänderbesitz ausgehende Politik hat ihren Höhepunkt

Lohns auszuspannen. So nicht nur Kaiser Alexios I. dem Boe-mund seine Ritter, wie soeben im Texte erzählt worden ist,sondern selbst Richard Löwenherz hat im hl. Lande den Ritternim Dienste Philipp Augusts von Frankreich einen höheren Soldgeboten, wenn sie in seinen Dienst eintreten wollten. (Continuatiode Guill. de Tr. p. 180; Ricardi regis itiner. Hierosol. ap. Gale,Hist. Angl. Script. II, 332.)