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im vierten Kreuzzug und der daran anschließenden'Expedition des Wilhelm von Champlitte nach derMorea erreicht. Begonnen, um große Vasallen, dieihren Lehnseid gebrochen hatten, im Besitz ihrerLänder zu erhalten, ist der vierte Kreuzzug in seinemVerlauf durch den raffiniertesten kapitalistischen Er-werbssinn der Venezianer und der beteiligten französi-schen Großen bestimmt worden und hat damit geendet,daß die mit dem Kreuze gezeichneten Kitter nichtmohammedanische, sondern christliche Länder untersich verteilt und die Venezianer Gebiete und Handels-verträge mit mohammedanischen Fürsten erlangt haben,welche ihnen die Handelsherrschaft im Mittelmeere fürJahrhunderte sicherten. Die Geschichte des Wilhelmvon Champlitte aber ist nur die Wiederholung imkleineren Maßstabe eines zu Erwerbszwecken unter-nommenen Krieges, wie er sich im vierten Kreuzzugim großen abgespielt hat 1 ).
Aus allem, was ich hier vorgeführt habe, erhellt:von dem vierten Kreuzzuge datiert nicht der Beginndes modernen Kapitalismus 2 ); hätte dieser nicht bereitslange vorher eine hohe Ausbildung erreicht, so wäreder vierte Kreuzzug gar nicht denkbar gewesen. Stattdes Beginns bedeutet er eine wahre Orgie des modernenKapitalismus, die selbst in unseren Tagen nicht vielÄhnliches aufzuweisen hat. Aber kehren wir vomvierten Kreuzzug und seinen für Venedig weittragendenFolgen zu der vorausgegangenen Zeit zurück, um nurin wenigen Worten noch darzulegen, in welcher Weiseschon in dieser Handel und Geldleihe, die ihrer Natur
*) Über den vierten Kreuzzug und die Expedition des Wilhelmvon Champlitte nach der Morea vgl. Abhandlung VIII in diesem Bande.
2 ) Das ist die Ansicht, welche W. Sombart im erstenBand seines Werkes „Der moderne Kapitalismus“, Leipzig 1902,vertreten hat. Vgl. Abhandlung IX in diesem Bande.