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wird gesetzlich als das Maßgebende hingestellt undjede Abweichung mit Strafen bedroht. Dann aber,als der Verkehr sich entwickelt, entsteht die Möglich-keit, regelmäßig Getreide nach solchen Ländern zuexportieren, die weniger als ihren eigenen Bedarfproduzierten. Und nun beginnt an die Stelle der altenfeudalen mehr und mehr die kapitalistische Organisationder Landwirtschaft zu treten. Unter dem Einfluß derProduktion für den Markt tritt der Landwirtschafts-betrieb unter die Herrschaft des Strebens nach demgrößtmöglichen Gewinn. Am längsten bleiben dieLöhne in der Landwirtschaft stabil. Zuletzt machtsich auch auf dem ländlichen Arbeitsmarkt die Kon-kurrenz fühlbar und steigert den Arbeitslohn über dasHerkommen.
So führt die mit der Berührung fremder Märkteeintretende Konkurrenz beim Absätze auf allen Ge-bieten des Wirtschaftslebens zur Auflösung der altenWirtschaftseinheiten. Auf allen Gebieten schwindetder Einfluß von Autorität und Herkommen; und soallgemein wird nun das Streben nach dem größtmög-lichen Gewinn, auf dem die neuen Zustände beruhen,daß man es schließlich als das angeblich für alle Wirt-schaften ausnahmslos und von Ewigkeit gültige Prinzipder Wirtschaftlichkeit formuliert hat: Befriedige mitdem geringstmöglichen Aufwand möglichst vollkommendeine Bedürfnisse.
Was freilich die Ewigkeit dieses Prinzipes angeht,so zeigt das Vorstehende, daß sie nicht von weit herist; und auch heute beherrscht es noch nicht ausnahms-los das Wirtschaftsleben. Ausschließlich gilt es auchheute nur in den Wirtschaften, welche vom Welt-märkte abhängig sind. Abweichungen kommen nochheute vor, sowohl, wo dies nicht der Fall ist, ins-besondere im Verkehr des Konsumenten mit dem Ver-