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Über den vierten Kreuzzug
Kirche kamen und, wer ihn oder seinen Besitz währendder Pilgerfahrt angreifen sollte, dem Interdikt verfiel;Innozenz war nicht der Mann, diesen kirchlichen Schutzin Mißachtung geraten zu lassen. Die großen französi-schen Vasallen machten sich diese Satzung zu Nutzen.Bei einem Turnier, zu dem sie in Ecry versammeltwaren, erhöhen sie, als sie in die Schranken reitensollten, plötzlich den Ruf der Kreuzfahrer, ließen aufihre Turniergewänder das Kreuz nähen, erklärten sichfür Streiter Gottes und retteten so ihren Besitz ’).Darauf sandten sie sechs Delegierte nach Venedig, umwegen der Überfahrt zu verhandeln * 2 ). Man kam über-ein, daß die Venezianer gegen ein Entgelt von 85000Mark Silber , 4500 Ritter mit ihren Pferden, 9000Knappen und 20000 wohlausgerüstete Fußsoldateninnerhalb eines Jahres transportieren und verpflegensollten. Außerdem erklärten die Venezianer, daß sie„aus Liehe zu Gott “ noch 50 ausgerüstete Galeerenmitgeben würden 3 ), unter der Bedingung jedoch, daßsie, solange der Gesellschaftsvertrag dauere, von jederEroberung an Land oder Geld, zu Wasser oder zuLand die Hälfte erhalten sollten 4 ).
*) Natalis de W a i 11 y , La conquete de Constantinople parGeoft'roy de Ville-Hardouin, Paris 1872, p. 5 ff.
a ) Ibidem p. 9.
3 ) Im lateinischen Text des Vertrags (Muratori. Rer. Ital.Script. XII, 324c) lautet die Stelle: „Super his autem et nospropria voluntate nostra quinquaginta galeas armatas dare debe-mus in Dei servitiam, quas similiter erunt in servitium Dominiper annum, si oportuerit, nisi nostra et vestra communi voluntateremanserit.“
4 ) W a i 11 y a. a. O p. 14. Der Satz in den vom DogenEnrico Dandolo vorgeschlagenen, von den Delegierten der Kreuz-fahrer angenommenen Bedingungen „tant con nostre compaigniedurra“ ist bezeichnend für die Auffassung, mit der die Venezianeran den Kreuzzug als geschäftliches Unternehmen herantraten.