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Aber nicht alle, welche sich für einen neuenKreuzzug begeistert und die Teilnahme versprochenhatten, hielten Wort. Andere fanden es bequemer oderbilliger, sich in flandrischen Häfen, in Marseille, Aigues-Mortes, Genua, Brindisi , einzuschiffen 1 ). Die Folge war,daß in Venedig nicht so viele Kreuzfahrer eintrafen,als man erwartet hatte, und es den Gekommenen anGeld fehlte, um die den Venezianern zugesagte Summezu zahlen. Darauf wollten die zum Kreuzung Ge-kommenen unter Verzicht auf diesen wieder nachHause gehen. Da aber hatten sie nicht mit denVenezianern gerechnet. Diese machten geltend, daßsie alles, wie ausbedungen, vorbereitet hätten, Schiffewie Verpflegung, und bestanden auf ihrem Schein. Siehatten die Kreuzfahrer auf der Insel Nicolo di Lidountergebracht. Da waren sie völlig in ihrer Gewaltuud sahen im Verbrauch für ihren täglichen Unterhaltihre Mittel Tag für Tag schwinden. Nun beschloßder Doge Dandolo , ihre Verlegenheit zum VorteilVenedigs zu nutzen. Die Venezianer hatten schonfrüher Dalmatien unterworfen. Die Byzantiner hattendies ungern gesehen. Aber sie hatten sich wohl ge-hütet, deshalb mit den Venezianern selbst anzubinden;sie hatten die Ungarn veranlaßt, Kroatien und Dal-matien zu erobern. Auch Zara , die festeste Stadt inDalmatien , war von Venedig abgefallen und hatte be-gonnen, unter dem Schutz des Ungarnkönigs ihremHandel und ihrer Schiffahrt Eintrag zu tun. Die
Im lateinischen Text des Vertrags (bei Muratori, Rer. Ital. Script.XII, 324D) heißt es: „Et debet inter nos et vos firma societaset talis esse, quod nos debemus vos bene tractare et vos nos etsi, Deo favente, per vim vel conventionem aliquid fuerimus ac-quisiti eommuniter vel divisim, nos ex omni medietatem haberedebemus et vos aliam medietatem.
*) W a i 11 y a. a. 0. p. 28 ff.