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der Mittelpunkt alles Verkehrs gewesen, im Hafen vonPera, zunächst der Judenstadt, der Republik ein be-stimmtes , genau bezeichnetes Areal durch Staats-vertrag zugeteilt, auf dem eine venezianische Kolonie,ein kleiner Staat im Staate, emporblühte; sie besaßenda eine eigene Landungsstätte, Häuser, Speicher,Kirchen und Unabhängigkeit von der griechischen Ge-richtsbarkeit. Dem Dogen von Venedig wurde dieWürde eines Protosebastos nebst dem zuständigenGehalte erteilt. Desgleichen setzte Alexios eine an-sehnliche Summe fest, die den Kirchen zu Venedigaus dem kaiserlichen Schatze jährlich gezahlt werdenmußte. Das rivalisierende Amalfi wurden zugunstenVenedigs besteuert. Außerdem erhielten die Venezianernoch viele liegende Gründe, sowohl in Konstantinopel,als auch in Durazzo und an anderen Orten, wo sieetwas ausbaten. Das Vorzüglichste aber, was sie er-hielten, war eine allgemeine Zoll- und unumschränkteHandelsfreiheit im ganzen byzantinischen Reiche, sodaß sie von ihren Waren auch keinen Obolus abzugebenbrauchten 1 ). Damit war die Handelsherrschaft Vene-digs im griechischen Reiche begründet. Ihr Reichtumund ihr Übermut gegen die Byzantiner stieg ins Maß-lose. Die ganze byzantinische Bevölkerung stand unterdem Druck der venezianischen Kapitalisten. Begreiflich,daß die Byzantiner dagegen reagierten. Der Nach-folger des Alexios I. , Kaiser Kalojoannes, verweigerte1119 den Venezianern die Bestätigung ihrer Privi-legien. Ich will hier nicht bei allen Einzelheiten, die
b Ygl. Anna Komnena in den Denkwürdigkeiten ausdem Leben des Alexios Komnenos im 6. Buche. — Tafel undThomas, Urkunden zur älteren Handels- und Staatsgeschichteder Republik Venedig. Wien 1856—57, I, 52 ff. — W. H e y d ,a. a. 0. I, 132. — Reinhard Heynen, Zur Entstehung desKapitalismus in Venedig, Stuttgart 1905, S. 45 ff.