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Über den vierten Kreuzzug
aber war von seinem Bruder Alexios des Thrones be-raubt, geblendet und ins Gefängnis geworfen worden.Isaaks Sohn Alexios hatte sich zu seinem Schwager,König Philipp, geflüchtet und ihn gebeten, seinemVater und ihm wieder zu ihrem Hecht zu verhelfen.Aber Philipp hatte selbst mit seinem Gegenkönig Ottovon Braunschweig zu viel zu tun; er sandte Boten andie Kreuzfahrer, sie möchten seinen Schwager Alexiosauf seinen ihm zukommenden väterlichen Thron wiedereinsetzen; dieser werde ihnen dann 200 000 Mark Silber geben und mit ihnen ziehen, um Ägypten zu erobern.Diese Botschaft kam Dandolo in höchstem Maße will-kommen. Sie bot die Gelegenheit, was soeben gegenZara gelungen war, in größerem Maßstab gegen Kon-stantinopel, mit dem er eine große Rechnung zu be-gleichen hatte, zu wiederholen.
Als Robert Guiscard im Jahre 1081 den Wegüber Durazzo nach Konstantinopel suchte, mit derAbsicht, dem griechischen Reiche das Ende zu be-reiten, hatte Kaiser Alexios I. die das Meer beherr-schenden Venezianer zu Hilfe gerufen; sie hattenschon in ihrem eigenen Interesse dem Rufe Folge ge-leistet; denn eine Festsetzung der Normannen an derAdria wäre ihren Handelsinteressen gefährlich gewesen.Die venezianische Flotte hatte Robert in wiederholtenSchlachten geschlagen. Dafür hatten die Venezianerim Jahre 1108 durch Vertrag zwischen Alexios undder Republik gegen die Verpflichtung, auch künftighinden griechischen Herrschern bei Bedrohung durch aus-wärtige Feinde beizustehen, ganz außerordentliche Privi-legien in Konstantinopel und im ganzen byzantinischenReiche erhalten. Schon früher hatten viele vene-zianische Kaufleute in Konstantinopel Häuser besessen;das war aber nur Privatbesitz gewesen; jetzt wurdean der günstigsten Stelle der Stadt, da, wo von jeher