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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lu jo Brentano

Byzantinern geblendet worden sein. Auch war dieSchadenersatzsumme, zu deren Zahlung sich KaiserManuel verpflichtet hatte, noch immer nicht ganz be-zahlt. Dagegen hatten die Byzantiner den Pisanernund Genuesen, den Handelsrivalen Venedigs, neuerdingsHandelsvorteile erteilt, von denen, wenn sie auch derHandelsfreiheit der Venezianer innerhalb des byzan-tinischen Reichs nicht gleichkamen, die VenezianerNachteile für sich befürchteten.

Nun hatte, wie die Berichte zeigen, der kühl be-rechnende Dandolo die Führung des ganzen Kreuzzugsin seiner Hand. Welche Gelegenheit, an den Byzan-tinern Rache zu nehmen und für Venedig weitere Vor-teile zu sichern, darunter auch den, den Wunsch desägyptischen Sultans zu erfüllen 1 )! Es war ihm nichtschwer, die vornehmsten Kreuzfahrer, die sich von demZug nach Konstantinopel reiche Beute, Herrschaftenund Fürstentümer versprachen, zu gewinnen. Schonbeim ersten Kreuzzug hatte der Brief des Alexios I. an den Grafen von Flandern, worin er die SchätzeKonstantinopels und die Schönheit seiner Frauen an-pries , um das Abendland zum Beistand gegen dieSeldschuken zu verlocken, eine Rolle gespielt. Dannhatte Boemund, der Fürst von Antiochien , auf seinerAgitationsreise zugunsten der Kreuzzüge als Lohn derBeteiligung die reichsten Städte in Aussicht gestellt,worauf viele, wie Ordericus Vitalis schreibt,als obsie zu Festmalen eilten, den Weg nach Jerusalem ein-

Da, wo Ernoul von der Abfahrt der Flotte spricht, be-merkt er:Or, eurent bien oi la priere et la reqneste que liSoudan dEgypte lor fist quil detournassent les pelerens ä menerä Alixandre dont je vous parlai ci-devant. ChroniquedErnoul et de Bernard le Tresorier, par L. de MasLatrie, Paris 1871, p. 362.