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Über den vierten Kreuzzug
das er ihnen gegeben hatte, als er hat, den Zng derKreuzfahrer von seinem Gebiet abzulenken. Abgesehenvon der Zusicherung von Schutz für alle Christen,welche unter venezianischem Namen die heiligen Orte
nobis mittatis, ut ostendatur amicitia nostra vera utrimque. Mitti-mus vobis de balsamo et septem captivos, exceptia illia quosmissis vestris dedimus. Seiatis sanus, si Deo plaeet.
L. de Mas Latrie (Histoire de l’ile des Chypre I, 193),Hopf (Ersch und Gruber, Encyklopädie 85. Band, S. 188 ff),Streit (Venedig und die Wendung des vierten Kreuzzugs gegenKonstantinopel, Anklam 1877) u. a. haben in diesen Privilegiendie Quittung des Sultans für die ihm von den Venezianern imvierten Kreuzzug geleisteten Dienste gesehen, die Betätigungdessen, was Ernoul über die von ihm, als die Überziehung seinesLandes mit Krieg durch die Franken drohte, an die Venezianergeschickte Gesandtschaft berichtet hat, und was Günther vonPairis im gleichen Sinn erzählt. Dagegen hat man neuerdingsErnoul , die Hauptquelle für jene Gesandtschaft des Sultans nachVenedig, als Mundstück des über die Ablenkung des vierten Kreuz-zugs nach Zara und Konstantinopel mißvergnügten Teils derKreuzfahrer zu diskreditieren gesucht (vgl. die Literatur bei Aug.Molinier, Le söurces de l’histoire de France I, 3, pp. 39, 40).Was man aber zur Erklärung derWendung des vierten Kreuzzugsan die Stelle zu setzen gesucht hat, scheint in keiner Weise stich-haltig. Das gilt besonders von dem in der Erstlingsschrift vonG. Hanotaux (Monod et Fagniez, Revue historique IV, 1877,pp. 73 ff.) Vorgebrachten; als das einzig Richtige in seinen Aus-führungen erscheint mir die Festlegung des Datums für die Ge-währung der Privilegien durch den Sultan auf das Jahr 1208.Es war allerdings ein Fehler von Hopf gewesen, diese Gewährungfür das Jahr 1202 anzunehmen. Aber das Datum, an welchemder Sultan das nach Ernoul gegebene Versprechen eingelöst hat,ist für das Wesentliche des Vorgangs gleichgültig. Auch L. deMas Latrie (a. a. 0.) und Heyd (Levantehandel I, 444)nehmen an, daß diese Einlösung erst später erfolgt sei, und selbstHano taux (a. a. 0.) gibt zu, daß der Nachfolger Dandolos, derDoge Pietro Ziani , als er 1208 die in den Urkunden genanntenGesandten zum Sultan schickte, es nicht unterlassen habe, dieVerdienste, welche sich Venedig durch die Ablenkung des Kreuz-zugs um den Sultan erworben habe, ins rechte Licht zu setzen