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Über den vierten Kreuzzug
vorteilhafte Tarife und außer dem Warenhaus inAlexandrien , das sie schon besaßen, noch ein zweites
stellt durch das, was er unterschlagen, als durch das, was ergesagt hat.“ Dieses Urteil bewahrheitet sich gerade in dem vor-getragenen Fall. Nach den Kritikern, welche den Bericht Ernoulsals unglaubwürdig erscheinen lassen wollen, hat Ernoul lediglichdie Verdächtigungen derjenigen Kreuzfahrer wiedergegeben, welche,mit der Ablenkung des Kreuzzugs nach Konstantinopel unzufrieden,sich von dem Heere der Kreuzfahrer getrennt haben, um sichdirekt nach dem heiligen Lande, um dort zu kämpfen, zu wenden.Da Villehardouin, wie unbestritten ist, ausgezeichnet unterrichtetgewesen ist, wäre für ihn aller Anlaß gewesen, diesen Gerüchtenentgegenzutreten, wären sie nicht wahr gewesen. Daß er diesaber mit keinem Worte tut, zeigt, daß er es, ohne zu lügen, nichttun konnte. Er hat daher über sie einfach geschwiegen. Auchim übrigen macht es einen wenig glaubwürdigen Eindruck, wenner den Dogen Enrico Dandolo und seine Venezianer, deren kühlberechnende Überlegenheit über die Franken und Unbekümmert-heit um den Papst, sobald er ihrem Interesse entgegen war, ausseiner eigenen Darstellung hervorgeht, uns im Gegensatz dazuals Männer von überquellender Weichheit hinstellt (vgl. z. B.Villehardouin Ziffer 28, 31). Was die Unbekümmertheitder Venezianer um den Papst angeht, sobald seine Befehle mitihren Interessen in Widerspruch traten, so hat auch WalterNorden sie hervorgehohen (a. a. 0. S. 81) und mit dem Hinweisauf eine Klausel in dem Vertrage belegt, den Venedig am27. September 1198 mit Kaiser Alexios III. schloß. Danach sollteder Vertrag nicht gebrochen werden „neque ob ecclesiasticamexcommunicationem vel absolutionem alicuius pontificum autipsus pape Romani“. (Tafel et Thomas, Fontes rer. Austr.Bd. XII, p. 255.) (Dabei ist die Klausel wiederholt aus demVertrag mit Isaak vom Jahre 1187 1. c. p. 201. Eine solcheKlausel findet sich in keinem der Verträge, welche die griechischenKaiser his zum Untergang des byzantinischen Reiches im Jahre1204 mit Pisa und Genua geschlossen haben.) Ähnlich nach dereigenen Darstellung von Villehardouin (Ziffer 83, 84) dieNichtachtung des Einspruchs des Papstes gegen die Belagerungvon Zara . Daher Norden mit Recht schreibt (S. 83): „VenedigsBeziehungen zum Papsttum, weit entfernt, einen venezianischenVerrat unwahrscheinlich zu machen, konnten eher dazu verleiten,an einen solchen zu glauben.“