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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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302 Lujo Brentano

tums wie für den Entwicklungsgang der Kultur gedachtund gelehrt hat.

Um mit Aristoteles zu beginnen. Er hat zwischenHaushaltskunst und Bereicherungskunst unterschieden : );Einige, sagt er, identifizierten die Bereicherungskunstmit der Haushaltungskunst, während andere sie nurfür deren wichtigsten Teil gelten lassen wollten. Aufdie Erörterung dieser Frage geht er dann an spätererStelle ein 2 ): es sei klar, daß Bereicherungskunst nichteinerlei sei mit Haushaltungskunst, denn jene geheauf Erwerb, diese auf Bedarfsdeckung; wohl aberlasse sich streiten, ob die Bereicherungskunst ein Teilder Haushaltungskunst sei oder eine andere Art vonWissenschaft. Eine Art von Erwerbskunst gehörezur Haushaltungskunst, nämlich die, welche auf denErwerb der Dinge gehe, die zum Leben notwendigund zum gemeinen Nutzen des Staats oder der Familiedienlich seien; dazu rechnet er die Tätigkeit desHirten, des Ackerbauers, des Fischers, des Jägers undmerkwürdigerweise auch den Seeraub und die Kriegs-kunst, soweit diese gegen solche Menschen sich richtet,welche, obgleich von Natur dazu bestimmt, sich nichtwollen beherrschen lassen. In diesen Dingen scheintihm der wahre Reichtum zu bestehen;denn das zumLebensgenuß hinreichende Maß von solchem Besitz istnicht unbegrenzt. Es gebe also einenaturgemäßeErwerbskunst für Haushalter und Staatsmänner. Esgebe aber noch eine andere Art von Erwerbskunst,die man vorzugsweise und mit Recht Bereicherungs-kunst nenne 3 ); für sie scheine Reichtum und Besitzkein Ziel zu haben. Sie sei mit der Bedarfsdeckungs-wirtschaft verwandt; sie sei aber mit ihr weder einerlei,noch auch von ihr sehr entfernt. Jene sei natur-

') Politik i, 3.

s ) Politik I, 8.

3 ) Politik I, 9.