Handel und Kapitalismus 303
notwendig, diese beruhe auf Übung und Kunst-fertigkeit.
Der Kleinhandel gehört nach Aristeteles seinemUrsprung nach noch nicht zur Bereicherungskunst;der Tauschhandel, der nur ein Gebrauchsgut gegenein anderes vertauscht, dient bloß zur Bedarfsdeckung.Aber aus ihm wurde eine Kunst. Da nämlich das zurErgänzung des naturgemäßen Bedarfs Nötige immerweiter hergeholt wurde, indem man einführte, woranman Mangel, und ausführte, woran man Überfluß hatte,kam man notwendigerweise auf den Gebrauch desGeldes; denn nicht jedes den Bedürfnissen unmittelbardienende Gut läßt sich leicht verfrachten. Nun kamdie Erwägung auf, bei welchem Umsatz des Geldesman am meisten Gewinn mache. Es entstand dieBereicherungskunst; ihre Aufgabe ist, ausfindig zumachen, bei welchem Umsatz des Geldes man am•meisten Gewinn machen könne. Sie ist als die Kunstauzusehen, Reichtum und Schätze zu erwerben. Sieist Sache des Handels. Er hat es nur mit dem Geldezu tun; denn das Geld ist Anfang und Ende desTausches; und der Reichtum, der aus dieser Art vonBereicherungskunst stammt, ist wirklich ohne Grenzen.Ihr Ziel ist ein unbegrenzter Reichtum und Geld-besitz.
Der Unterschied zwischen der Haushaltungskunstund der Bereicherungskunst ist also nach Aristoteles der, daß jene in der Bedarfsdeckung ihre Grenze sieht,während diese ins unendliche strebt. Der Handel ist’s,der ihr seinem innersten Wesen nach dient; aber nichtbloß der Handel. Es ist zu beachten, daß Aristoteles das Streben nach unbegrenztem Reichtum von derPersönlichkeit nicht loslöst; vielmehr sagt er, „weildie Lust zu leben ins unendliche geht, so verlangendie Menschen nach endloser Anhäufung der Mittel