Handel und Kapitalismus
305
unvollkommen für einen sei es lokalen, sei es durchPrivilegien geschützten interlokalen Markt produziert.Soweit stimmt Sombart mit der allgemeinen wissen-schaftlichen Auffassung überein. Aber er fügt seinerDefinition des Handwerks noch als weiteres Merkmalhinzu: das Ziel des Handwerkers geht nicht weiter,als sich durch Austausch seiner Leistungen oder seinerErzeugnisse gegen entsprechende Äquivalente seinenLebensunterhalt zu verschaffen; es geht nicht weiterals auf Beschaffung der „Nahrung“. Diese eigenartigeWirtschaftsorganisation ist nach Sombart auf dem Ge-biete der gewerblichen Produktion entstanden; sie ist —und er bezeichnet dies als einen der Grundgedankenseines Werks — „alsdann bestimmend geworden fürden Gesamtcharakter des Wirtschaftslebens währendlanger Zeiträume, ebenso wie es später die aus kauf-männischem Geiste geborene kapitalistische Unter-nehmung wird. Ehemals erschien auch der Handelals Handwerk; heute erscheint auch die Produktionals kaufmännisches Unternehmen“. Er betrachtet dasHandwerk so, wie er es definiert, als typisch für diemittelalterliche Wirtschaft.
Die kapitalistische Unternehmung definiert Sombart als „die Wirtschaftsform, deren Zweck es ist, ein Sach-vermögen durch eine Summe von Vertragsabschlüssenüber geldwerte Leistungen und Gegenleistungen zuverwerten“. Bei ihr erscheint nicht der Mensch,sondern das Sachvermögen als der Mittelpunkt, um denAlles sich dreht; der Leiter des Betriebs ist gleichsamnur der Repräsentant des Sachvermögens und alssolcher vertretbar; das Sachvermögen selbst aber kommtnicht in Betracht entsprechend seiner ihm eigentümlichenNatur als Fabrik, Rohstoff, Werkzeug, Maschine,Grundstück usw., sondern seiner technischen Naturvöllig entkleidet, lediglich als Vertreter eines Geldwerts,