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der dem Erwerb weiterer Geldsummen dienen soll.Das geschieht, indem man den Wert des Sachvermögensin eine Ware umsetzt, sei es, daß man diese mit Hilfeder Leistungen anderer, die man gekauft hat, herstellt,sei es, daß man die Ware von anderen kauft, um siedurch abermaligen Verkauf in Geld zurückzuverwandeln.Oder um in der Formelsprache des Karl Marx zusprechen: an die Stelle der handwerksmäßigen Pro-duktion, die Waren herstellt und sie in Geld umsetzt,um dafür Waren für den eigenen Bedarf einzutauschen,an die Stelle der Formel W—G—W, tritt die FormelG (Geld)—W (Ware) — Gg (vergrößerte Geldsumme).Und nun kommt das Wichtigste, die Folge der Ver-selbständigung des Sachvermögens für die Zweck-setzung : Ist es nicht mehr eine lebendige Persönlich-keit, sondern das Abstraktum Sachvermögen, das imMittelpunkt steht, so wird damit der Zwek der Unter-nehmung losgelöst von der leiblichen individuellenPersönlichkeit des Wirtschaftssubjekts. Nicht mehrder quantitativ und qualitativ fest umschriebene Bedarfeiner Person oder einer Mehrheit von Personen ist fürdie Tätigkeit maßgebend, die in der kapitalistischen Unternehmung entfaltet wird, sondern lediglich dieVerwertung des Kapitals. Damit ist die Beschränkt-heit des Zwecks überwunden. Indem an die Stelleder Fürsorge für die „Nahrung“ die Verwertung desKapitals tritt, tritt ein abstrakter und damit un-begrenzter Zweck an Stelle des früheren begrenzten.In dieser Unbegrenztheit des Zwecks der kapitalistischen Unternehmung liegt nach Sombart ihre fundamentaleEigenart. Das Kapital wirkt in ihr nicht nur wieein Automat, sondern wie ein Moloch, der durch seineNatur getrieben wird, alles zu verschlingen. An dieseelementare Einsicht ist nach Sombart jedes Verständnisfür kapitalistische Organisation gebunden.