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sie vom Standpunkt derer betrachte, die ihr als Ab-hängige angehören; allein ich darf nicht die Wirt-schaftsorganisation der Abhängigen der einen Epochederjenigen der Herren einer anderen Epoche gegenüber-stellen. Das Handwerk hat sich im Altertum wie imMittelalter in der Zeit des erwachenden Kapitalismus nicht in einer führenden, sondern in einer durchausuntergeordneten Stellung imWirtschaftsleben befunden v ).Der Handwerker ist noch ganz überwiegend ein Minder-berechtigter gewesen, teils gebunden durch die Grund-herrschaft , teils in Abhängigkeit von den in denStädten herrschenden Geschlechtern. Die Herren, derenWille die Wirtschaftsorganisation beherrschte, warenganz überwiegend die Grundherren, und daneben nurerst schwach die neu aufkommenden Herren, die überdas Kapital verfügenden Kaufleute 2 ). Nicht zumHandwerk ist der entstehende Kapitalismus in Gegen-satz getreten — das Handwerk befand sich vorherwie nachher’ in der Rolle des Abhängigen —, sondernzur Naturalwirtschaft und Feudalität; die kapitalistischeHerrenstellung beginnt mit der feudalen Herrenstellungum die Oberhand zu ringen, und gerade die Entstehungdes Kapitalismus hat das Gewerbe erst zur Emanzipa-
*) Für das germanische Mittelalter vgl. HadrianusYalesius in seinem Kommentar zu dem Gedichte des BischofsAdalbero von Laon in Rerum Gallicarum et Francicarum ScriptoresT. X, Paris 1760, pp. 94, 97. Vgl. ferner L. Garreau, L’etatsocial de la France au temps des croisades, Paris 1899, pp. 270 fE.,275: „Ainsi dans les ,Metiers 1 , les bourgeois se trouvent tributaireset justiciables de simples membres de la population souveraine“.
2 ) In Paris sind es im 12. Jahrhundert die Mercatores hansatiaquae Parisii, die allein unter allen Bürgern ein Lehen vom Könighaben, la maitrise des crieries de Paris; sie sind Königsvasallen,nahezu Adlige; vgl. Garreau, a. a. 0. p. 303. Die unter-geordnete Stellung der Handwerker zur Zeit der Geschlechter-herrschaft ist bekannt.