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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Handel und Kapitalismus

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zum Schluß 12 d, d. h. nachdem er an den drei Ortengelebt hat, soviel wie die Summe, mit der er auszog.Schon bei einem Ursprungskapital von 13 bleiben ihm20, bei einem von 24 bleiben ihm 118. Es zeigte sichalso, daß bereits eine geringfügige Steigerung desKapitals den Handel gewinnbringend machte und daßmit jedem d mehr dieser Gewinn steige. Die Italienerzogen daraus den Schluß, den Leonardo wollte, undzogen nur mit ausreichendem Kapitale aus; daß sieaber damit sehr großen Gewinn machten, zeigen derReichtum und die Macht, welche der Handel schonlange vor 1204 ihren Städten gebracht hat.

Man muß sich nur gegenwärtig halten, daß dieitalienischen Seestädte auch nach dem Untergang desweströmischen Reichs mit Byzanz und auch mit denSarazenen in lebhaften Handelsbeziehungen gestandenhaben und in dem Reichtum, den ihr Handel ihnenbrachte, eben die Mittel erlangt haben, um dem ger-manischen Andringen zu widerstehen 1 ).

Da war zunächst Ravenna, der Sitz des Exarchats.Damit ist es stets Sitz antiker Kultur und der Haupt-handelsplatz mit Konstantinopel geblieben. Das Lebendes hl. Neon, der um das Jahr 450 Erzbischof vonRavenna gewesen ist, gibt sofort einen Beleg für denReichtum, der damals im Handel erworben wurde. Ererzählt von einem Kaufmann ans Ravenna, der 300Goldsolidi geborgt und sich auf Reisen begeben habe,um damit Handel zu treiben. Er vervierfachte diegeborgte Summe, kam nach Konstantinopel, und als er

*) Dafür, daß es möglich war, im Mittelalter durch Seeschiff-fahrt und Handel beträchtliche Kapitalien anzuhäufen, vgl. auchauch Walther Y o g e 1, Geschichte der deutschen Seeschiffahrt,Berlin 1915, I, 374 ff. und 408 ff., und R. Davidsohn , For-schungen zur Geschichte von Florenz, IV, Berlin 1908, S. 268 ff.