Handel und Kapitalismus
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und Patrizier auf die Insel, um sie in Besitz zu nehmen.Die Insel wurde in drei Teile geteilt: 1. Zur Dotationvon Kirchen und Klöstern, um der lateinischen Kircheein festes Fundament zu schaffen. 2. Staatsgut — nurein kurzer Küstenstrich und die Hauptstadt. Die Ein-künfte aus der Verwaltung derselben wurden von dervenezianischen Verwaltung der Insel verwendet; dazukamen die Regalien, die teils im Bergwerksertrag,namentlich in Silber, der Benützung der Flüsse zuGoldwäschereien und in städtischen Einkünften be-standen. Diese Einkünfte der Republik haben dieVerwaltungskosten niemals gedeckt 1 ). 3. Der letzte
Teil wurde in 132 Reiterlehen und in 408 Fußdienst-lehen geteilt. Jeder Ritter hatte die Pflicht, derRepublik selbst mit der Lanze zu dienen, eine ritter-mäßige Rüstung und zwei Schildknappen bei sich zuführen. Alle Kolonisten schworen der Republik denEid der Treue, und die Lehen gingen auf die männ-liche Nachkommenschaft über. Jedes Reiterlehen wurdemit 24, jedes Lehen eines Fußknechts mit 4 sarazeni-schen Leibeigenen ausgestattet. Diese waren noch ausfrüherer Zeit auf der Insel und wurden nun in eineähnliche Lage wie die Hörigen in Frankreich versetzt.Sie erhielten Nahrung, Kleidung und geringen Lohn.Später in einem Augenblick der Geldnot gestatteteman ihnen, sich freizukaufen, wovon viele Gebrauchmachten. Die Ländereien, welche der Kirche und demStaate anheimfielen, waren fast durchgängig vonGriechen gebaut, die sich in einem abhängigen Besitz-stand als Hintersassen verhielten. Außerdem befandensich Juden auf der Insel, als Händler und Geldver-leiher ; sie waren wenig beliebt 2 ).
0 Ygl. Leopold von Ranke , Sämtliche Werke 5LH 21.
2 ) Ygl. die Einleitung von A. Haudecoeurzu der zitiertenDokumentensammlung von Hippolyte N o i r e t p. XII.