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haben, aber sofort mit den Mohammedanern neue Handels-verträge abschlossen, um sich die wichtigsten zu er-halten. Die siegreichen Mohammedaner würden sichwohl schwerlich zu solchen Verträgen herbeigelassenhaben, wenn diese nicht auch für sie vorteilhaft ge-wesen, wenn ihre Untertanen dadurch „ausgepowert“worden wären. Und auch heute noch haben wir inasiatischen Ländern solche exterritoriale Niederlassungenim Interesse unseres Handels, ohne daß jemand je ein-gefallen wäre, sie als Zwingburgen anzusehen, um dieEingeborenen jener Länder, wie Sombart sich ausdrückt,dem doux commerce geneigter zu machen.
Anders verhält es sich mit den Pflanzungs-kolonien der Italiener. Sie beruhten auf Eroberung,sei es der italienischen Städte selbst, sei es einzelnerihrer Bürger, welche dann das eroberte Gebiet unterden Schutz ihrer Vaterstadt stellten.
Der Ausgangspunkt für diese Art von Kolonienwar der vierte Kreuzzug. Ich habe auf S. 293erzählt, daß Venedig dem Markgrafen von Montferratdie diesem nach der Eroberung von Konstantinopel zu-gefallene Insel Kreta oder Candia, wie sie schon damalsgenannt wurde, im Jahre 1204 abgekauft hat 1 ). Aberdas Abgekaufte war erst zu erobern 2 ). In den 160Jahren nach der Okkupation der Insel waren nichtweniger als 14 große Aufstände zu bewältigen, bis dieVenezianer ihrer wirklich Herr wurden. Erst dannwar ihre Herrschaft gesichert. Sie sandten nun Adelige