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aus dem entnehmen, was der westfälische PfarrerLudolph in seiner Beschreibung der Reise in das heiligeLand vom Jahre 1350 von Famagusta erzählt 1 ): „DieseStadt ist die reichste und ihre Bürger sind die reichstenvon allen. Als ein Bürger dieser Stadt seine Tochterverheiratete, gab er ihr solche Kleinodien als Kopf-schmuck, daß die mit uns kommenden französischenRitter sie als wertvoller als den ganzen Schmuckschätzten, den die Königin von Frankreich besaß. EinKaufmann dieser Stadt verkaufte dem Sultan einengoldenen Reichsapfel, der mit vier kostbaren Juwelengeschmückt war, mit einem Karfunkel, einem Smaragd,einem Saphir und einer Perle, für 60000 Gulden; erwollte den Apfel darauf für 100000 Gulden zurück-kaufen, was abgelehnt wurde.“ Und andere Beispielemehr. Die Gewürze seien dort so gewöhnlich, wie inseiner Heimat das Brot, und wenn er von den Juwelen,die es da gehe, sprechen würde, würde man es ihmnicht glauben. Die galanten Damen in Famagusta seien sehr reich; es gäbe solche, die mehr als 100 000Gulden besäßen 2 ), was auf einen allerdings stark ent-wickelten Kapitalismus, zwar nicht, wie Sombart neuer-dings will 3 ), als Ursache, sondern als Wirkung des-
‘) L. de Mas L a t r i e , a. a. O. II 213 ff.
2 ) »In hac civitate degunt infinitae meretrices ditissimae,quarum quaedam plus quam centum mille florenos habentes; dequarum diviciis dicere non ausus sum.« DeMasLatrie, a.a. O. H 214.
3 ) Werner Sombart, Luxus und Kapitalismus, München und Leipzig, 1913. Auf S. 77 bezeichnet der Verfasser selbst alsden „Grundgedanken“ seines Buchs, „inwiefern die Frau, zumaldie von Unrechtswegen geliebte Frau, wir können auch sagen:das Weibchen, Anteil an der Ausgestaltung des äußeren Lebensin unserer Epoche genommen hat“ und auf S. 206 schreibt er:„So zeugte der Luxus, der selbst, wie wir sahen, ein legitimesKind der illegitimen Liebe war, den Kapitalismus.“ Danach er-