Handel und Kapitalismus
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charakteristisch, daß der kapitalistische Unternehmergleichsam nur Repräsentant des Sachvermögens undals solcher vertretbar sei. „Nicht sein individuellesKönnen entscheidet notwendig über die im Rahmen derkapitalistischen Unternehmung vollzogene Tätigkeit(wie etwa im Handwerk), sondern die durch Nutzungdes Sachvermögens ausgelösten Kräfte und Fähigkeitenbeliebiger anderer Personen 1 ).“ All dies ist nichtsanderes als ein Rückfall in die Lehre der alten eng-lischen Nationalökonomen, welche angesichts der Tat-sache, daß nur derjenige die Funktionen eines Geschäfts-unternehmers erfüllen kann, der über Kapital verfügt,und zwar nur in dem Maße, in dem er dies tut, überdem Kapitalbesitz die Person desjenigen, durch dessenErkennen und Wollen das Kapital erst belebt wird,so sehr vergessen haben, daß bei ihnen ein Wort fürUnternehmer sich gar nicht findet. Von diesem Stand-punkt aus wirkt das in einem Unternehmen nutzbargemachte Kapital wie ein Automat — es strebt objektivnach ungemessenem Gewinn und sein Gelingen erscheintunabhängig von den Zufälligkeiten der Individuen 2 ).Es bleibt dann nur unerklärt, warum Kapitalien vongleicher Größe in der einen Anlage glänzenden Gewinnabwerfen, in einer anderen daneben gar keinen. Wieviel einsichtsvoller war da nicht schon Antonin vonFlorenz , geb. 1389, gest. 1459, als er schrieb 3 ): „Pecuniaex se sola minime est lucrosa nec valet seipsam multi-plicare; sed ex industria mercantium fit per eorummercationes lucrosa“, und wie viel treffender hat danicht einer der größten modernen Unternehmer, Dr.
9 Der moderne Kapitalismus I 196.
s ) S o m b a r t a. a. 0.
3 ) Siehe Funk, Über die ökonomischen Anschauungen dermittelalterlichen Theologen, in der Tübinger Ztsclir. f. d. Ges.Staatswissensch., XXV, 151.