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Übels.“ Das christliche Ideal aber wurde die Welt-flucht. „Lossagung vom Materiellen, Unterdrückungdes Sinnlichen, Zurückziehung des Geistes in seineigenes Selbst erschien als die höchste Aufgabe dessittliche Strebens. Entsagung dem Irdischen und allemEigentum als die höchste Vollendung 1 ).“
Erscheint aber die Erwerbsgier als die Wurzelalles Übels, so war es folgerichtig, den Handel zu ver-urteilen ; denn der Handel erschien von Anfang an alsder Träger des verpönten Strebens nach dem größt-möglichen Gewinn ; seiner innersten Natur nach strebter danach, möglichst billig zu kaufen und möglichstteuer wieder zu verkaufen. Daher denn die Handels-feindlichkeit des christlichen Altertums 2 ).
Ich habe in meiner Rektoratsrede über „Ethikund Volkswirtschaft in der Geschichte“ dargetan, daßdiese Lehre vom Seinsollenden sich nicht hat durch-setzen können, weil sie zu sehr sowohl der mensch-lichen Natur als auch den Bedingungen, unter denendie Menschen zu wirken hatten, widersprach 3 ). Ich
*) So sagte ich in meiner Rektoratsrede am 23. November1901 über „Ethik und Volkswirtschaft in der Geschichte“. Sieheoben S. 36.
2 ) Vergleiche meine Rektoratsrede oben S. 38 ff.; dazu meineAbhandlung „Die wirtschaftlichen Lehren des christlichen Alter-tums“, oben S. 77 ff.
3 ) Ernst Troeltsch, Die Soziallehren der christlichenKirchen und Gruppen, Tübingen 1912, S. 51, Anmerkung 31, hatüber meine Rede und die daran anknüpfende Abhandlung ge-schrieben: „Brentanos Darstellung entbehrt jeder Vertrautheit mitdem Geist der alten Kirche, will ja auch nur die Unbrauchkeitder altchristlichen Ideen für eine liberale kapitalistische Wirt-schaftspolitik dartun, woran ohnedies nicht zu zweifeln war.“Nun gilt wohl auch vom „Geist der alten Kirche“, was Faust von„der Herren eigenem Geiste“ sagt, „in dem die Zeiten sich be-spiegeln“. Der einzige Beleg, den Troeltsch für meine mangelndeVertrautheit mit dem „Geiste der alten Kirche“ anführt, ist, daß