Puritanismus und Kapitalismus
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habe darauf verwiesen, wie sogar die Kirche selbstimmer mehr ins Irdische verstrickt worden ist, wie sieihr Streben nach ungemessenem GHiterbesitz zum größtenEigentümer gemacht hat und wie der schnelle Verfall
auch aus den von mir angeführten Stellen der Kirchenväter hervor-gehe, „daß die kommunistisch-sozialistischen Äußerungen derKirchenlehrer erst in der nach konstantinischen Zeit stark hervor-treten“. Darauf ist aber dem gelehrten Kirchenhistoriker zu er-widern, daß dies keineswegs zutrifft. Clemens von Alexandrien,den ich oben auf S. 89 meiner Akademie-Abhandlung zitiere,hat geschrieben: „Alles ist also gemeinsam, und die Reichen sollennicht mehr haben wollen als andere“ . . . „Seinem (d. h. Gottes)Willen nach muß der Genuß gemeinsam sein. Es ist nicht in derOrdnung, daß einer im Überfluß sitzt, während mehrere darben.“Clemens ist aber um 160 geboren und um 220 gestorben. Des-gleichen schrieb der von mir ebenda zitierte Cyprian (geboren um200, gest. 258) unter Berufung auf die Apostelgeschichte von denGläubigen zur Zeit der Apostel: „Es herrschte unter ihnen keinUnterschied, und sie hielten keines der Güter, die sie besaßen,für ihr Eigentum, sondern alles war ihnen gemein“, und nacheinigen weiteren Sätzen fährt er fort: „Denn alles, was Gottes ist,ist uns, die wir es usurpiert haben, zu gemeinsamem Ge-brauche gegeben, und niemandem wird der Zutritt zu seinen Wohl-taten und Vorteilen verwehrt, auf daß das ganze Menschen-geschlecht der göttlichen Güte und Freigebigkeit in gleichemMaße genieße. So leuchtet der Tag, strahlt die Sonne, feuchtetder Regen, weht der Wind gleichmäßig; die Schlafenden habeneinen Schlaf, und gemeinsam ist der Sterne und des MondesGlanz. Der Besitzer, welcher auf Erden nach diesem Muster derGleichheit seine Einküufte und Früchte mit der Brüdergemeindeteilt, indem er bei seinen freiwilligen Spenden allen mitteilt undGerechtigkeit übt, ahmt Gott den Vater nach.“ Das aber sinddie ältesten Kirchenväter! Was Troeltsch dann weiter quasi wohl-wollend und überlegen zur Beschönigung meiner angeblich falschenAuffassung des „Geistes der alten Kirche“ sagt, zeigt ein Miß-verständnis meines Geistes, wie ich es nicht für möglich ge-halten hätte. Von liberaler kapitalistischer Wirtschaftspolitik istin meinen beiden Abhandlungen weder die Rede, noch habe ichdaran auch nur gedacht. Was ich in der Rektoratsrede wollte,zieht sich wie ein roter Faden deutlich von der ersten Seite bis