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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

reich s, sondern wegen der Versuchung zu Müßiggang und Genuß, die es mit sich bringe, für sittlich bedenk-lich. Wenn Baxter ferner für den Paulinischen Satz:Wer nicht arbeitet, soll nicht essen bedingungsloseGeltung für jedermann, auch für die Reichen, verlangt,ist dies gleichfalls alles eher wie kapitalistisch. Undwenn er als Gesichtspunkt bei der Berufswahl in ersterLinie die Rücksicht auf die Sittlichkeit des Berufs,in zweiter die Wichtigkeit der darin zu produzierendenGüter für die Gesamtheit, in dritter Linie die privat-wirtschaftliche Profitlichkeit nennt, so heißt es doch,Baxter eine Auffassung, die man als die seine erstnach weisen soll, willkürlich unterlegen, wenn Weber,entgegen der von Baxter aufgestellten Reihenfolge derMaßstäbe, den Gesichtspunkt der privatwirtschaftlichenProfitlichkeit als dennatürlich praktisch wichtigstenbezeichnet x ). Auch bezieht sich die Lehre Baxters, daßGott , wenn er einem der Seinigen eine Gewinnchancezeigt, seine Absichten dabei habe und der gläubigeChrist diesem Rufe somit zu folgen habe, nur aufBerufswahl und Berufs Wechsel, ferner, wie die vonWeber angeführte Stelle * 2 ) zeigt, auf das Arbeiten

A. a. 0. S. 85. Dazu gehört auch, wenn Weber ebendaAnmerkung 33 die antikapitalistische Bemerkung von Th. Adamsüber das Streben nach Gewinn: »He (the knowing man) knows . . .that money may make a man richer, not better, and thereuponchooseth rather to sleep witli a good conscience than a fullpurse . . . therefore desires no more wealth an honest man maybear away« durch den Zusatzaber soviel will er eben doch auch,ihrer Beweiskraft gegen seine Theorie berauben zu können glaubt.

2 ) A.a.O. S. 86:Wenn Gott euch einenWeg zeigt, auf dem ihrohne Schaden für eure Seele oder für andere in gesetzmäßigerWeise mehr gewinnen könnt, als auf einem anderen Wege undihr dies zurückweist und den minder gewinnbringenden Weg ver-folgt, dann kreuzt ihr einen der Zwecke eurer Berufung (calling),ihr weigert euch, Gottes Verwalter (stewart) zu sein und seine