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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Puritanismus und Kapitalismus

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knüpft, ob Gott mit den Irländern sei, so hat Boemund,als er nach dem ersten Kreuzzuge als Agitator Frank-reich bereiste, noch ganz anders, und zwar von derKanzel in den Kirchen geredet 1 ). Allerdings hatteCromwell Sinn für die Bedeutung von Kapitalreichtumfür die Wohlfahrt eines Landes und hat die Juden,weil sie kapitalreich seien, wieder in England zu-gelassen; aber er war weit entfernt, den Gelderwerbum des Geldes willen zu rechtfertigen; und Weberselbst scheint einräumen zu wollen, daß es nicht fürden spezifisch kapitalistischen Geist Cromwells spricht,wenn er 1650 an das Lange Parlament schreibt:Bitte,stellt die Mißbräuche aller Berufe ab, und gibt eseinen, der viele arm macht, um wenige reich zu machen:das frommt einem Gemeinwesen nicht. Desgleichensind die Lehren der Puritaner, statt kapitalistisch zusein, geradezu traditionalistisch. Weber macht aller-dings besonderes Aufheben von der Lehre des Ver-fassers des umfangreichsten Kompendiums puritanischerMoraltheologie Richard Baxter . Aber ich finde beiihm zwar die Aufforderung zu ununterbrochener Berufs-arbeit und energisches Warnen vor Müßiggang undGenuß; aber die Aufforderung zu rastloser Arbeit istnicht gerade etwas Kapitalistisches, sonst wären auchBasilius, Augustinus und Benediktus zu den Vertreternkapitalistischen Geistes zu rechnen. Er warnt viel-mehr vor dem Reichtum, wie Weber selbst hervor-hebt 2 ), als einer schweren Gefahr und erklärt, wie dieKirchenväter, das Streben danach nicht nur für sinn-los gegenüber der überragenden Bedeutung des Gottes-

*) Siete Ordericus Vitalis , Historia Ecclesiastioa lib.XI, Ausgabe von A. Le Prevost IV, Paris 1852, p. 213. Siebeoben S. 27 Anm. 1.

a ) Archiv für Sozialwissenschaft XXI, 76.

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