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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

ist, hebt Max Weber selbst hervor J ).Der Beruf ist(für Luther) das, was der Mensch als göttliche Fügunghinzunehmen, worin er sich ,zu schicken' hat;diese Färbung übertönt den auch vorhandenenanderen Gedanken, daß die Berufsarbeit eine odervielmehr die von Gott gestellte Aufgabe sei. Aberauch Calvin ist weit entfernt vom kapitalistischen Geiste. Wenn er auch die von Luther noch bekämpfteRechtmäßigkeit des Kapitalzinses darzulegen bemühtwar, so war er doch dagegen, daß aus dem Zinsnehmenein Geschäft gemacht werde * 2 ); er verwarf es, wennder Reiche den Armen Darlehen verweigert, weil sieihm zu geringe Sicherheit bieten, und verlangt, daßneben dem privaten Nutzen auch auf das Beste desStaatswesens Rücksicht genommen werde. Das istnicht kapitalistisch gedacht und noch weniger, wenner ermahnt, man solle sich und alles, was man seinnenne, ganz und gar außer acht lassen, sein Hab undGut, da man es hier doch nicht lange genießen kann,den Armen geben, da man also davon größeren Genußim Himmel haben werde 3 ). Es erscheint dies beinaheals Rückfall in die Lehre der mittelalterlichen Kirche.Ja, selbst die Independenten sind weit entfernt vonkapitalistischem Geiste. Wenn Weber 4 ) für diespezifischkapitalistische Denkweise Cromwells sichauf dessen Entgegnung auf die Manifeste des katholi-schen Klerus in Irland beruft, in welcher er auf dieGelder hinweist, welche die Engländer in Irland an-gelegt, und die dadurch, daß die Iren den Frieden ge-brochen hätten, gefährdet seien, und daran die Frage

*) Archiv für Sozialwissenschaft usw. XX, 46 ff.

2 ) Vgl. Kampschulte, Johannes Calvin , seine Kircheund sein Staat in Genf , I 429.

8 ) Zitiert von R a c h f a h 1 a. a. 0. S. 1324.

*) Archiv für Sozialwissenschaft usw. XX, 44.