Puritanismus und Kapitalismus
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bedenklich galt, was die Puritaner als Inhalt einersittlich gebotenen Lebensführung betrachteten.
Aber weder die eine noch die andere Lehre vomSeinsollenden war für die weitere Entwicklung maß-gebend, sondern, wie schon bemerkt, die empirischePhilosophie, die das Seiende zum Ausgangspunkt nahm.Wie die Volkswirtschaftslehre, die in dem Prinzip derWirtschaftlichkeit: Befriedige mit dem geringst mög-lichen Aufwand möglichst vollkommen deine Bedürfnisse,das Alpha und Omega wirtschaftlichen Handelns sieht,sich aus der Betrachtung des Seienden im Wirtschafts-leben entwickelt hat, ist bekannt. Die Physiokratenund Adam Smith haben das Streben nach dem größt-möglichen Gewinn systematisiert. Dabei haben sie dieÜbereinstimmung ihrer aus der Betrachtung des wirt-schaftlich handelnden Menschen abgeleiteten wirtschaft-lichen Naturgesetze mit dem Sittengesetz ganz nachArt der Stoiker gelehrt'). In ihrem Banne ist auchBenjamin Franklin gestanden. Er ist der Freund derPhysiokraten * 2 ) und Adam Smiths gewesen und warvon denselben Gfrundanschauungen beherrscht wie diese.Er selbst hat sogar erzählt, daß Adam Smith ihmsein großes Werk über den Reichtum der Nationen,Kapitel für Kapitel, in dem Maße, in dem diese fertigwurden, vorgelesen habe 3 ).
*) Siehe eine ausreichende Zusammenstellung ihrer dies-bezüglichen Aussprüche bei Louis de L o m e n i e, Les Mirabeau 11.283 ff. Paris 1879.
2 ) Siehe Franklins Leben und Schriften II 97 ff.