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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

Wie aber steht es denn mit jenem Dualismus,wonach Natur und Sittenlehre miteinander in Wider-spruch stehen, mit jener Grundlage der Rationalisie-rung des Lebens, welche selbst das Verhältnis desMenschen zu Gott zu einem rein geschäftsmäßigenmachte und die notwendige Voraussetzung dafür ge-wesen ist, daß dem neutralen, dem triebhaften Menschen-geist alle Knochen im Leibe gebrochen wurden, wiedies nötig gewesen, damit der Kapitalismus sich hatentfalten können ? Ist dieser Dualismus etwas spezifischJüdisches? Findet sich jene Rechenhaftigkeit in demVerhältnis zwischen Mensch und Gott nur bei denJuden? Sind die nichtjüdischen Völker etwa in demMaße, in dem sie mit dem Christentum diese Lehresich aneigneten, kapitalistisch geworden ?

Jener Dualismus findet sich vor allem auch beianderen Völkern des Orients; ganz besonders aberfindet er sich bei dem Volke, dem die Menschheit füralles, was das Leben mit jedweder Art edlen Genusseserfüllt, am meisten verpflichtet ist, bei den Griechen.Allen diesen Völkern erscheint der Mensch doppelt be-wegt. Einerseits ist er ein animalisches Wesen. Alssolches verlangt er nach Sinnenlust und schreckt zurückvor Schmerz und Pein. Andererseits hat er ein Be-wußtsein von Recht und Unrecht. Etwas wasimmer dieses Etwas sein mag nötigt ihn, das eineoder andere zu wählen. Das fühlt er in sich alsPflicht; das ist seine Religion.Zwei Seelen wohnen,ach, in meiner Brust haben die Menschen Jahrtausendevor Faust gerufen. Der Streit zwischen beiden hat

strebigkeit und ihrer Eitelkeit geborene Konservative. Man öffneihnen nur die Tore, und es wird allenthalben aus dem radikalenDisraeli ein konservativer Lord Beaconsfield. Ein Blick unter dieMarannen in unserer Beamtenwelt kann jeden überzeugen.