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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

der Nacht fast regelmäßig ziemlich starker und, wennder Wind gerade nördliche Richtung hat, sogar sehrstarker Tau 1 ). Der Himmel ist weit entfernt von jenerKlarheit, und die Gliederung der Erdoberfläche keines-wegs so unbegrenzt durch Berg und Wald, daß sieden Blick ins Unendliche schweifen läßt, was nachSombart die Abstraktheit des Denkens der Juden er-zeugt haben soll. Vielmehr hat der Himmel zur Zeitdes Frühjahrs-Schirokko eine eigentümliche fahle Fär-bung, so daß die Sonne nur einen matten Schein gibt.Von den darauffolgenden Tagen heißt es 2 ):Die Luftist in dieser Zeit mit feinen Staubteilchen erfüllt, sodaß sie nur wenig durchsichtig ist, und während schondas Alte Testament häufig von Bergen und an einigenStellen auch von Wäldern 3 ) spricht, zeigen die vonAuhagen seinem Berichte beigegebenen Abbildungeneine Gestaltung der Erdoberfläche, die den Blick insUnendliche weit mehr hemmen muß, als die Ebenendes ostelbischen Deutschlands oder die bayerische Hoch-ebene südlich der Donau. Der Sumpf, der, nach Som-bart , das klar rechnende Denken der germanischenVölker verhindert, dagegen die Grundlage ihrer mitdem Herkömmlichen zufriedenen Gemütsverfassung ist,findet sich auf großen Strecken auch in Palästina 4 ).Die jährlichen Regenmengen sind bedeutend, vielfachstärker als in Deutschland 5 ). Die ausgedehnten palä-stinischen Ebenen sind von großer Mannigfaltigkeit 6 ).Früher waren sie fruchtbarer wie heute 7 ); aber noch

*) Ebenda S. 4. l ) Ebenda S. 6.

3 ) J o s u a XVII, 15, 18.

*) Auhagen S. 11, 13, 21.

6 ) Ebenda S. 12. 6 ) Ebenda S. 13.

) Ebenda S. 17. Vgl. für Getreidefelder und Fruchtgärtenin alten Zeiten auch L ö li r a. a. 0. S. 19, 22, 23.