Judentum und Kapitalismus
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heute steigt die Weizenernte im Hauran, in der Phi-lister- und Jesreel-Ebene auf bis zu 28 dz auf 1ha 1 ).Die Halbbeduinen im Hauran ernähren sich aus-schließlich von Landwirtschaft 2 ). Dem entspricht, wassich aus dem Alten Testamente über die Wirtschaftder Iraeliten entnehmen läßt. Man schlage es auf,wo man will, und man wird finden, daß von Getreide-feldern und Fruchtgärten, Weinbergen, Feigen- undÖlbäumen mindestens ebenso viel die Rede ist, wie vonWeiden und Viehzucht. In vielen Schriften ist vonletzteren gar nicht mehr die Rede. So spricht derProphet Hosea 3 ) (um 750 v. Chr.) fast nur von Korn,Most und 01, von Weinstöcken und Feigenbäumen, undin der Weissagung Mosis 4 ) heißt es: „So wohnte Israelin Sicherheit, gesondert der Quell (d. h. das Volk)Jakobs, in einem Lande, voll Getreide und Most, undsein Himmel träufelte Tau“ ; von Weiden, Herden undMilch findet sich nicht mehr ein Wort. Beim ProphetenArnos 5 ) heißt es: „Prächtige Weinberge pflanzet ihr,aber ihr werdet ihren Wein nicht trinken“; bei Micha 6 ):„Du wirst säen und nicht ernten, die Oliven auspressen,aber dich nicht damit salben, und Most (gewinnen)aber keinen Wein trinken“; bei Joel 7 ) und im104. Psalm: „Der Mensch geht an seine Arbeit undan sein Acker werk bis an den Abend“; usw. 8 ) Manlese ferner die Vorschriften über das Sabbatjahr, dieAckerecke, die Nachlese und erwäge, daß Nehemia 9 )wohl vom Zehnt aller Art von Bodenfrüchten, dagegen
*) A u h a g e n S. 59. s ) Ebenda S. 4ß.
a ) Hosea 2, 8; 2, 12; 2, 22; 7, 14; 9, 2.
4 ) Deut. 33, 28. ») Arnos S. 11.
e ) Micha 6, 15; vgl. auch 7, 1.
’) Joel, Kap. I. passim.
8 ) Siehe z. B. Hiob 4, 8; 5, 5ff.; 5, 26; 8, 17; Jesaia 55, 10.
B ) Nehemia 10, 38ff., 12, 44ff, 13, 5, 12.