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geben. Indes kommt es bei der Beurteilung der Be-deutung der Juden in der Wirtschaftspolitik gar nichtauf das an, was sie in Palästina getrieben haben. WieMommsen es ausdrückt*): „Die Geschichte des jüdischenLandes ist so wenig die Geschichte des jüdischen Volks,wie die Geschichte des Kirchenstaats die Geschichteder Katholiken. ,In Palästina bestand die große Masseder Juden aus kleinen Bauern“, die im Schweiße ihresAngesichts ihre Felder pflügten und ihr Ol preßten l 2 )“;diejenigen, welche für die Wirtschaftsentwicklung be-deutungsvoll geworden sind, waren die aus ihrer Heimatgemaltsam Fortgeführten, die Juden in der Diaspora.Die erste dieser Wegführungen war die im Jahre 722v. Chr.; die Bewohner des östlichen Galiläa und dieStämme jenseits des Jordans wurden in die assyrischeGefangenschaft geführt; sie sind es nicht, welche inder Entwicklung weiter eine Rolle gespielt haben;sie haben sich unter den Völkern aufgelöst, in derenGebiet sie angesiedelt waren; jedenfalls lassen sichihre Spuren in der Geschichte nicht weiter nachweisen.Anders, als von 597 v. Chr. an wiederholte Abführungender Bewohner Judas in die babylonische Gefangen-schaft stattfanden. Das Ereignis ist von folgenschwererBedeutung nicht nur für die Juden, sondern für dieGeschichte der gesamten Menschheit bis zum heutigenTage geworden 3 ). Denn hier im Exil ging in derjüdischen Religion 4 ) die Umwandlung vor, welche dieJuden inmitten anderer Völker den höchsten Typusnationaler Exklusivität entwickeln ließ. Auch in wirt-