so viele Scheltworte hat, und bei den Griechen, vondenen Demosthenes gesagt hat: „ein betriebsamer unddabei ehrlicher Kaufmann gehört zu den Wunder-erscheinungen“ und deren graeca fide mercari nochzur Zeit des Plautus in Rom spriichwörtlich war, warenalso die ersten jüdischen Kaufleute im Handel demBetrüge ergeben 1 ). Aus solchem Handel dürfte auchin Judäa der Reichtum jener Geldbesitzer gestammthaben, über welche kurze Zeit darauf Jesaia 2 ) undMicha 3 ) Wehe rufen, weil sie Häuser und Acker zu-sammenkaufen.
Aber trotz des Triumphgesangs, den Ezechiel dieStadt Tyrus über den Fall Jerusalems als einerHandelsrivalin anstimmen läßt — der Triumph scheintsich nach dem Wortlaut 4 ) lediglich auf den Wegfalleines Stapelrechts bezogen zu haben, das Jerusalem gegenüber den durch- und vorüberziehenden Kaufleutenin Anspruch genommen zu haben scheint —, war allder Handel, den die Juden vor dem Exil trieben 5 ), nichtgeeignet, ihnen den Charakter eines Handelsvolks zu
') S o m b a r t a. a. 0. S. 152 ff. siebt im Betrügen beimHandel einen spezifisch jüdischen Zug, verschweigt aber, daß dasgleiche von Phönikern und Griechen, überhaupt von allen Kauf-leuten der Völker, die eben erst in den Handel pintreten, berichtetwird. Vgl. auch über die Japaner Wilhelm Joest, Aus Japan nach Deutschland durch Sibirien. 2. A. Köln 1887, S. 222.
*) Jesaia 5, 8.
3 ) Micha 2, 1.
*) Ezechiel 26, 2: „Ha! sie ist zerschmettert; die Türzu den Völkern hat sich mir zugewandt.“ Vgl. Kautsch, DieHeilige Schrift des Alten Testaments, 3. A. I, Tübingen 1909, S. 892,Anmerkung.
5 ) Wenn Ezechiel unter den Völkerschaften, welche mit Tyrus Handel getrieben haben, Juda auch ausdrücklich anführt, so handeltes sich bei dessen Handel doch nur um den Verkauf seiner eigenenErzeugnisse nach Tyrus . Ezechiel 27, 17.