Judentum und Kapitalismus 489
Wüstenvolks aufgeflihrt hat; es entbehrt jedwederGrundlage.
Nun wird mir vielleicht jemand einwenden, Sombartsoben wiedergegebene Erklärung der Eigenart des jüdi-schen Volks stehe im dritten Hauptabschnitt seinesBuchs über die Juden, und von diesem habe er selbstgesagt 1 ), daß er angesichts desselben nicht dasselbeGefühl der Unwiderlegbarkeit empfinde, wie hinsicht-lich des ersten und zweiten Hauptabschnitts. Ich würdeden Einwand als zutreffend anerkennen und hätte dem-gemäß die obige Zusammenfassung des Inhalts seines14. Kapitals unterlassen, wenn nicht Sombart ebendieses Kapitel mit den Worten eröffnete 2 ): „KeineHypothese, sondern eine durch die Tatsachen sicher-gestellte Annahme ist es, daß die sogenannte kapita-listische Kultur unserer Zeit durch das Zusammen-wirken eben der Juden, eines in nordische Ländervorgedrungenen Siidlingsvolks, mit den hier einheimi-schen Menschen ihr eigenartiges Gepräge erhalten hat“,und läge die hier zusammengefaßte Auffassung nichtallen seinen Gedankengängen auch in den beiden vor-ausgegangenen Hauptabschnitten zugrunde. Dabei sollnicht geleugnet werden, daß, was Sombart in diesemKapitel geschrieben hat, lustig ist und daß man esangeregt liest. Das gilt auch für sein ganzes Buch.Aber das Kapitel ist zuchtlos, und zuchtlos ist seinganzes Buch. Von dem zuchtlosen Geist in der Wissen-schaft aber gilt dasselbe wie von der Schönheit deszuchtlosen Weibes 3 ).
In Wirklichkeit datieren die Anfänge des Kapitalis-mus wahrscheinlich aus einer unbestimmt langen Zeit,