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enthaltenen Motivirungen derselben.') Die Namen derMänner, welche Roger bei seinen legislatorischen Arbeitenverwendete, sind uns leider unbekannt.
Dass während der Regierungszeit Wilhelms I. undWilhelms II. die Rechtsbildung in Sicilien nicht ganzgestockt hat, beweist die Anzahl von Gesetzen, welche inden Constitutionen des Reichs nach ihnen benannt werden.Die Sammlung der Assise regum regni Siciliae, welcheMerkel als Anhang zu den Gesetzen Rogers wiederherausgegeben hat, fällt ja auch in die Zeit der Wilhelme. * 2 )Namentlich die Zeit Wilhelms II. wird als eine Bliithe-zeit des Gesetzes und der Gerechtigkeit gerühmt. 3 ) Wennman aber eine Notiz Hugo Falcandos (1. 1. pag. 440),in der von den „terrarum feudorumque distinctiones ritus-que et instituta curiae“ und den „libri consuetudinum,quos defetarios appellant“, die verloren gegangen seienund die der Notar Matthaeus vor Allen am Besten ge-kannt habe, gesprochen wird, so gedeutet hat, 4 ) als seienunter den libri consuetudinum Rechtsbücher zu verstehen,so ist dieses unrichtig. Denn diese libri defetarii oderdeptarii sind nichts Anderes als Rechnungsbücher über die
') H. F. bei Caruso I. pag. 410: Aliorum quoque regum ac gen-tium consuetudines diligentissime ferit inquiri, ut quod in eis pul-cherrimum, aut utile videbatur, sibi transsumeret. Quoscunque vi-ros aut consiliis utiles, aut bello claros compererat, cumulatis cos ailvirtutem beneficiis invitabat. — Nach lombardischem Kerbt mussteder, welcher einen Freien am Barte gezupft hatte, dieselbe Conipo-sition bezahlen als jener, der einem Pferde Schweifhaare ausgerissenhatte. Leges Roth. ed. di Vesme 383 u. 338. Dagegen sagt Roger§. XXXIV. ed. Merkel: Quid enim absurdius quam equa lance pen-sari, ubi jumenti cauda decerpitur et ubi honestissimi viri barba de-pilatur ?
2 ) Bei dem vorwiegenden Einflüsse, den die Franzosen am HofeWilhelms II. hatten, — es wurde an ihm fast nur französisch ge-sprochen, cfr. Hugo Falcando 1. 1. pag. 40G — und den dieselbenauch dazu benutzten, die lehnsrechtlichen Gesetze Frankreichs ein-zuführen, — über den Widerstand der Sicilianer hiergegen HugoFalcando 1. 1. pag . 475 — trat vielleicht das römische Recht et-was hinter die coutumes zurück.
s ) Ryccardus de S. Germano: (Pertz XIX, 323.) Legis et justitiaecultus tempore suo vigebat.
4 ) Z. B. Narbone, Storia della litteratura di S. Tom. VH.S. 00.